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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1934-01-01 · Heft 5 · p. Seite 493

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
78 (1934)
Issue
Heft 5
Article
Der Begriff der Kawwana in der alten Kabbala
Date
1934-01-01
Page
Seite 493 (sequence 2)
Language
German
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Der Begriff der Kawwana in der alten Kabbala 493 deswegen, weil die Kabbalisten auch weitgehend geleitet wurden von einem ausgesprochen ,,theosophischen" Interesse an der Be- Schreibung der innern, geistigen Welten, die sich der Betrachtung des Kabbalisten eröffneten, und von einem Interesse an dem Prozeß der Manifestation Gottes, der gleichsam als eine Bewegung in Gott selbst aufgefaßt wurde. Sondern es ist dazu noch eine sich stärkstens geltend machende Abneigung getreten, von den im strengsten Sinn ,,mystischen“ Anliegen, Vorgängen und Er־ lebnissen ausführlich zu handeln. Es ist ja keineswegs so, daß die religiöse Erfahrung-der Kabbalisten nichts von all dem gewußt hätte, was die Erfahrung der Mystiker überall ausgemacht hat. Die lebendige Erfahrung Gottes im eigenen Seelengrund oder wie immer man jenes Ziel des mystischen Verlangens bezeichnen mag, hat als eine Urerfahrung des Menschen im ,,rabbinischen“ Judentum genau so existiert wie irgendwo. Was wirklich verschieden ist, von allen speziellen jüdischen oder nicht jüdischen Ausdrucksformen solcher Erfahrung abgesehen, das ist der Wille zum Ausdruck und zur literarischen Mitteilung dieser Erfahrung überhaupt. Sei es, daß im jüdischen Milieu der Kontrast der mystischen Erfahrung zu einem Begriff von Gott, in dem das Moment des Schöpfers und Gesetzgebers nachdrücklich betont wurde, etwa besonders lebhaft empfunden worden sei, oder seien es andere Motive — gewiß ist, daß die kabbalistische Literatur eine ausgesprochene Scham und Zurückhaltung gerade da zeigt, wo andere Mystiker am gewaltigsten stammeln — im Autobiographischen und in den Versuchen zur begrifflichen Bestimmung der religiösen Vorgänge, und sei es auch, wie anders ja kaum denkbar, in Paradoxen. Umso kostbarer müssen dem Erforscher der jüdischen Mystik die, oft sehr entlegenen, Dokumente sein, in denen diese Zurückhaltung ganz oder doch teilweise aufgegeben wird, und wir in das Innere einer Welt blicken können, die sich sonst gern verschlossen hat. Es fehlt keineswegs ganz an solchen Dokumenten, die — sehr bezeichnender Weise — fast durchweg in Handschriften stehen und von kabbalistischer Seite jedenfalls kaum jemals zum Druck gegeben worden wären., Freilieh haben wir leider guten Grund anzunehmen, daß gerade hier viel verloren gegangen, ist: das Tagebuch des Isaak von Akko, die meisten prophetischen Schriften Abraham Abulafias, die

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