Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Baruch Auerbach und sein Werk
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 487 (sequence 7)
- Language
- German
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Baruch Auerbach und sein Werk 487• nicht fehl, wenn man darunter seinen jüdischen Wurzelgrund versteht. Pädagogische Vorbilder und Freunde Auerbachs waren außer Francke Herr von Türck, ein Anhänger Pestalozzis, der Stifter des berühmten Potsdamer Waisenhauses. Er scheint auch seinerseits, die aus seinem Buch ״über die Vorsorge für Waisen, Arme und Notleidende“ (Berlin 1839) hervorgeht, Auerbach sehr ge-, schätzt zu haben. Ebenso äußert sich Adolf Diesterweg, wohl die bedeutendste Persönlichkeit auf dem Gebiet der Volksschul־ Pädagogik im 19. Jahrhundert lobend über die Auerbachsche Anstalt1. Auch die Fellenbergschen Anstalten in Hofwyl in der Schweiz, deren Modell Goethes Pädagogische Provinz im Wilhelm Meister bilden, waren Auerbach bekannt, und mit Feilenberg selber stand er in brieflichen Beziehungen. Schließlich wandte man auch seitens der Schul- und Er- Ziehungsbehörden dem Auerbachschen Werk freundliches Interesse zu. Der Kultusminister Altenstein versichert ihn verschiedentlich seiner fortdauernden Hochschätzung; später nahm Eichhorn Interesse an den! Fortgange der Anstalten. Der Polizeipräsident von Gerlach war — wie auch viele andere Christen — Mitglied der Anstalt; der Generalpostmeister von Nagler gewährte ihr Portofreiheit. Endlich beachtete man auch über die Fachkreise hinausgehend in der breiteren Oeffentlichkeit das Werk Auerbachs sehr. Varnhagen von Ense berichtet darüber in seinen Denkwürdigkeiten2. Er lobt Eifer und Talent des Stifters und die unglaubliche Hilfsbereitschaft der Gemeindenlitglieder. Die ״Vossische Zeitung“ brachte ziemlich ausführliche Berichte, die sich nicht genug darin tun können, von dem wunderbaren Aufblühen der Anstalten zu erzählen3. In der Tat: trotz Auerbachs vieljähriger Fehde mit dem jüdischen Gemeindevorstand wuchs und blühte seine Anstalt, daß es zum Erstaunen war. ״Ehrenmütter“, an ihrer Spitze 1 Jonas Plaut: Festschrift zum hundertj ährigen Bestehen der Baruch Auerbachschen Waisenerziehungsanstalten (noch nicht veröffentlicht). 2 Varnhagen v. Ense: Denkwürdigkeiten und vermischte Schriften. Neue Folge, 3. Band. Berlin 1845. S. 533—537. 3 abgedruckt in Auerbachs Geschichte a. a. O. S. 82/83.