Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Baruch Auerbach und sein Werk
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 486 (sequence 6)
- Language
- German
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486 Hilde Ottenheimer lassung drangen, nicht allzufreundlich ,,der Verlust dieser Lehrstelle werde dem Herrn Auerbach bei seinen übrigen betrachtliehen Erwerbsquellen kaum fühlbar sein“. Es ist angesichts der inneren Verwandtschaft kein Wunder, daß Auerbach in dem Pietisten August Hermann Francke sein pädagogisches Vorbild sah. (Francke hat übrigens auch sonst unter den Juden Schule gemacht. Die Gründerin des Paderborner Waisenhauses z. B., Fanny Nathan, beruft sich ausdrücklich auf ihn1. Die Form, in welche Auerbach seine ,,Geschichte“, ,,ein ewig redendes Zeugnis von dem wunderbaren Walten Gottes über Waisen“ einkle״idet, entspricht ganz Franckescher Manier. Er rechtfertigt in der Einleitung die Abfassung dieser ,,Geschichte“ mit dem Hinweis auf Francke, der ebenfalls die Geschichte seiner Anstalt geschrieben hatte. Auerbach glaubt weiterhin eine eigentümliche Gleichartigkeit des Schicksals seiner Gründung mit derjenigen Franckes darin zu sehen, daß bei Beiden eine wohltätige Frau den ersten Grund zu den später ausgedehnten Einrichtungen gelegt habe. Franckes Waisenhaus in Halle ist ihm schließlich Gipfel und Vorbild aller Waisenhäuser in Deutschland, auch des seinigen. Auerbach kennt diese Einrichtungen aus eigener Anschauung. Zu einer Besichtigungsreise, die von manchen Glaubensgenossen als ,,sonderbare Schwärmerei“ bezeichnet wurde, hatte ihm der in Pestalozzis Leben so epochemachende Staatsrat Nicolovius ein warmes Empfehlungsschreiben gegeben. Nicolovius hat auch sonst dem Werk Auerbachs eine freundliche Gesinnung entgegengebracht und ihm in vielen, schwierigen Situationen beratend beigestanden. Kein Wunder, daß ihm Auerbach nach seinem Tode einen so warmen Nachruf gewidmet hat. Auf dieser pädagogischen Studienreise hat Auerbach die wichtigsten Er- Ziehungsanstalten Deutschlands gesehen. Dadurch hob sich sein Vertrauen in seine eigene Sache; aber — sagt er;— er wolle seinen Vorsatz nicht aufgeben und ,,über dem Schöpfen aus fremder Quelle den eigenen Born übersehen“. Man geht wohl 1 Festschrift zum fünfzigjährigen Bestehen des israelitischen Waisenhauses für Rheinland und Westfalen. Paderborn 1906. S. 6.