Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Baruch Auerbach und sein Werk
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 484 (sequence 4)
- Language
- German
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484 Hilde Ottenheimer der jüdischen Gemeinde Berlin trat, ein zwölfsemestriges Studium der Philologie und. Theologie, zu dem er sich autodidaktisch vorgebildet hatte, ,,mit ausgezeichnetem Erfolge“ beendigt hat. Für eine Bildung im Sinne seiner Zeit spricht es auch, daß er in seiner ,,Geschichte“ außer Stellen aus der Bibel, den Psalmen und Propheten auch Tacitus, Schiller und Goethe, Justus Möser, Pascal, Fichte und Fr. A. Jacobi zitiert. — Widerspruchsvoll ist das Urteil über seine Leistungen. Als er einige Jahre lang drei Anstalten leitete: das Nauensche Institut, eine Art Talmud Tora, außerdem die Knabenschule der jüdischen Gemeinde und sein eigenes Institut, wünschten die Kuratoren der Nauenstiftung, die mit Auerbachs Leistungen gar nicht zufrieden waren, seine Entlassung1. Er selbst stellt die Erneuerung der bei seiner Übernähme tief verfallenen Anstalt ganz als sein Werk hin, mit welchem die Vorsteher aufs höchste zufrieden gewesen seien. Auch von seiner Leitung der Gemeindeknabenschule war man gar nicht erbaut. L. Geiger, der Geschichtschreiber der Berliner Judenheit sieht die Ursache für den im Vergleich zu der Aera Zunz zu beobachtenden Niedergang der Schule in Auerbachs Persönlichkeit. Der Unterricht sei in einen chaotischen Zustand geraten, der durch die vielen mehr äußerlichen Anordnungen Auerbachs entstanden sei2. Demgegenüber erklärt ein Chronist der Knabenschule aus den letzten Jahren den Verfall durch Gemeinde- Verhältnisse wie schlechte Besoldung, stundenweise Bezahlung der Lehrkräfte, was diese auf den Weg des Nebenerwerbs treiben mußte3. Auerbach selbst aber erzählt, er habe die Gemeindeknabenschule zur vollkommenen Zufriedenheit der Gemeinde und Behörden eingerichtet. — Widerspruchsvoll ist auch die Stellung seiner Zeitgenossen zu ihm. Vielen Mitgliedern der jüdischen Gemeinde war er ausgesprochen mißliebig; andere haben ihm mit ehrlicher Begeisterung bei seinen Unternehmungen treu zur Seite gestanden. Fast sein ganzes Leben hindurch lebte er in einem gespannten Verhältnis zum Gemeinde Vorstand und 1 O. Götz: Geschichte der Nauenschen Anstalt in Berlin. Ted I—III. Berlin 1909, 1919, 1929. Teil I, S. 11. 2 Ludwig Geiger: Geschichte der Juden in Berlin. Berlin 1871. S. 170. 3 J. Gutmann: Festschrift zum hundertjährigen Bestehen der Knabenschule der jüdischen Gemeinde. Berlin 1926.