Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Baruch Auerbach und sein Werk
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 483 (sequence 3)
- Language
- German
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Baruch Auerbach und sein Werk 483 größten Philosophen sei. Sondern als man ihm kurz nach Beendigung seines Universitätsstudiums — er war damals übrigens einunddreißig Jahre alt — diesen Vorschlag machte, meinte er: ,,ich will, von allem andern abgesehen den Namen behalten, weil ich gegenwärtig als ein eben erst von der Universität Abgegangener, noch gar nichts bin, noch gar nichts geleistet habe. Werde ich in der Folge etwas leisten und etwas Ordentliches werden, so werde ich einen ächt klingenden jüdischen Namen zu Ehren gebracht haben, leiste ich aber nichts, werde ich ein Lump, wozu einen schön ׳ klingenden Namen verderben?“ Auerbach war so sehr mit dem Herzen im Judentum beheimatet, daß er in Zeiten der Ratlosigkeit Trost im jüdischen Schrifttum suchte; wenn er hochgestimmt war, entströmen ihm hebräische Worte; er dichtet hebräische Kantaten zu Anstaltsfeiern, und in seinen redseligen Jahresberichten finden sich viele hebräische Stellen. Dieses sein Judentum ist aber ein seltsam ,,erleuchtetes“; nicht umsonst ist er als jüdischer Pietist bezeichnet worden1. Stets bleibt seine Gestalt vor dem suchenden Auge in magisches Helldunkel gehüllt — eine Bestätigung neuerer Anschauungen, nach welchen der Pietismus ein letzter Ausläufer der mystischen Bewegungen des 15. und 16. Jahrhunderts sei — niemals kann man Auerbachs Wesen klar erkennen und umschreiben. Widerspruchsvoll ist er in seinen Reden. So lehnte er es in der Einleitung seiner Geschichte des von ihm ,gegründeten Waisenliauses ab, von sich selbst sprechen zu wollen, — in Wirklichkeit ist die Darstellung eine einzige Selbstbiographie. Er schreibt sogar in dieser Geschichte aus apologetischen Gründen Reden aus früheren Jahren in einer Form nieder, wie er sie sicher nie gehalten hat. — Widerspruchsvoll ist das Urteil über seine Bildung. Die einen sagen, es habe seinem Ansehen bei den Gemeindebehörden' mit denen er in ewigem Kampf lag, geschadet, daß er keine tiefere wissenschaftliche Bildung gehabt habe. Andererseits steht es fest, daß er gerade, ehe er in den Dienst 1 J. Plaut: Aus der Erühzeit des Barueh Auerbaehschen Waisen־ hauses. In: Die Gemeinschaft, Hefte für die religiöse Erneuerung des Judentums. Herausgegeben von der Liberalen Synagoge Norden in Berlin. Jahrgang 1925, Nr. 1, S. 4. und 2, S. 5; Jahrgang 1926, Nr. 4,. S. 6. ־31