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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1934-01-01 · Heft 5 · p. Seite 482

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
78 (1934)
Issue
Heft 5
Article
Baruch Auerbach und sein Werk
Date
1934-01-01
Page
Seite 482 (sequence 2)
Language
German
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482 Hilde Ottenheimer nach fast allen Anstalten zum Muster, die bis zu den siebziger Jahren gegründet wurden. In Königsberg beruft man sich z. B. ausdrücklich auf ihn1; die Nachahmung geht, sogar — wie im Israelitischen Waisenhaus für Westfalen und Rheinland — bis zur wörtlichen Übernahme der in den Satzungen niedergelegten Erziehungsgrundsätze. In ideeller und praktischer Hinsicht ist also Auerbach der Schöpfer der geschlossenen jüdischen Er- Ziehungsfürsorge in Deutschland, die gegenwärtig, 36 Anstalten mit 1675 Plätzen für Klein- und Schulkinder und 25 Anstalten mit 625 Plätzen für Jugendliche umfaßt2. Eine Würdigung des Urhebers dieses beachtenswerten Gebiets gesellschaftlicher Betätigung liegt anläßlich des hundertjährigen Bestehens seiner eigenen Anstalt sehr nahe. Darüber hinaus kommt ihr aber beinahe apologetische Bedeutung zu; denn gerade die jüdische Erziehungsfürsorge in allen ihren Formen ist es, die den vielgeschmähten, von ihrem Judentum sich innerlich abwendenden Menschen des 19. Jahrhunderts ihr Entstehen verdankt. Nicht nur die Wissenschaft des Judentums ist es, welche für die Erhaltung jüdischer Werte Sorge getragen hat, sondern jüdisches Leben wurde auch gelebt, gepflegt und gestaltet in den verschiedenen Anstalten und Einrichtungen, welche allenthalben entstanden. Baruch Auerbach gehört zu jener Generation jüdischer Menschen, die von der Grundlage einer ausschließlich jüdischen Bildung aus in die deutsche Kultur und in die feingebildeten Berliner Kreise eingedrungen ist. Im Unterschied zu vielen seiner Zeitgenossen wollte er jedoch niemals sein Judentum verwischen oder verbergen. Er lehnte es z. B. ab, nach Erlangung der preussischen Staatsbürgerschaft seinen biblischen Vornamen mit einem ,,modernen" zu vertauschen, was man ihm sehr nahegelegt hatte. Diese Ablehnung begründet er nicht nur mit der Wortbedeutung seines Namens, nicht nur mit dem Hinweis, daß er einen, biblischen Vornamen trage, daß es der Name eines der 1 A. Peritz: Die Geschichte des israelitischen Waisenhauses für Stadt und Land Königsberg. Königsberg 1905. S. 6. 2!Führer durch die jüdische Gemeindeverwaltung und Wohlf ahrtspflege. Heräusgegeberi von der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden. Berlin 1933, S. 472—481.

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