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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1934-01-01 · Heft 4 · p. Seite 461

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
78 (1934)
Issue
Heft 4
Article
Zur Kritik der Offenbarungsreligion in der islamischen und jüdischen Philosophie
Date
1934-01-01
Page
Seite 461 (sequence 6)
Language
German
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IRI
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Zur Kritik der Offenbarungsreligion in der islam. und jüd. Philosophie 461 Elemente der von ihm bekämpften Theorie aufgenommen. Die göttliche Gesetzgebung ist für ihn nicht nur, aber auch politische Gesetzgebung. Der Mensch als politisches Wesen bedarf einer Regelung seines Gemeinschaftslebens und darnit eines Gesetz־* gebers,■• der die rechte Gemeinschaftsordnung; herstellt‘ Das kann ein irdischer Gesetzgeber sein, aber die höchste Form dieser Gesetzgebung ist die Prophetie, die das Gemeinschaftsleben; zugleich auf seinen höchsten Zweck, die spekulative Vollkommenheit des Menschen, .ausrichtet1. Diese Auffassung der Prophetie ist im islamischen Aristotelismus herrschend. . Die Notwendigkeit der Prophetie wird, in ihm durchgehend daraus deduziert, daß das menschliche Gemeinschaftsleben der Leitung bedarf, der Prophet hat primär die Aufgabe, die vollkommene Ordnung des Gemein- Wesens herbeizuführen. Aber auch hier wie bei Maimonides vollendet sich diese Aufgabe darin, daß er zugleich, die letzte metaphysische Wahrheit verkündet und damit das; Gemeinschaftsleben auf seinen höchsten transzendenten Zweck bezieht2. Dieser höchste Zweck der Offenbarung gilt freilich nur für den engen Kreis, der zur Spekulation befähigt ist, die Menge hat nur an dem niederen, praktischen Sinn der Lehre Anteil, was Ibn Ro§d prägnant dahin ausdrückt, daß das Ziel für die Menge im Tun, für die Weisen im Wissen und im Tun liege3. Damit ist für die Menge die Lehre von, dem bloß praktischen und politischen Zweck der Offenbarung anerkannt; nur für den Philosophen hat das Gesetz zugleich theoretische Bedeutung. Diesem zwiefachen Zweck des Gesetzes entspricht auch die Zweiheit seines exoterischen und esoterischen Sinnes. In seinem Wortlaut paßt es sich dem Fassungsvermögen der Menge an und weicht von der metaphysischen Wahrheit ab, aber der verborgene Sinn dieses Wortlauts ist eben die metaphysische Wahrheit selbst. Das kommt der von Sahrastani wiedergegebenen Theorie der Metaphysiker, die ebenfalls in den sinnliehen Aussagen über das Jenseits eine popularisierende Dar- 1 More II 40; vgl. auch III 27, •28. 2 Älfarabi, Musterstaat, ed. Dieterich 'S. 53—55, 57—60. Deutsche Übersetzung S. 84—87, 90—96; Sahrastani S. 394—396. Haarbrücker II S. 282—284. 3 Philosophie und Theologie von :Averroes, ed. M. J. Müller S. 69, Deutsche Übersetzung S. 66.

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