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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1934-01-01 · Heft 4 · p. Seite 460

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
78 (1934)
Issue
Heft 4
Article
Zur Kritik der Offenbarungsreligion in der islamischen und jüdischen Philosophie
Date
1934-01-01
Page
Seite 460 (sequence 5)
Language
German
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460 Julius Guttmann Förderung der sozialen Wohlfahrt sieht und der Offenbarung den tieferen, über das Praktische hinaüsgehenden Vernunftgehalt abspricht. Dieser Degradation der Offenbarung gegenüber behauptet Pseüdb-Bahja, daß die tiefsten Geheimnisse der Vernunft in der Offehbärurig enthalten sind und daß es mir an der Unfähigkeit unseres Denkens liegt, wenn rms dieser verborgene Gehalt der göttlichen Lehre entgeht. So kann er auch einer so offenbarungsgläubigen Richtung wie dem Kalam dieselbe Mißdeutung der Offenbarung vörwerfen, weil dieser gleichfalls den Zweck der Offenbarung nur in der Anleitung zu dem richtigen praktischen Verhalten des Menschen sieht: Die Herabsetzung der Offenbarung soll nicht nur darin liegen, daß ihr der theoretische Vernunftgehalt abgesprochen wird, sondern auch darin, daß der rationale Gehalt ihrer Gesetze verkannt wird. Das gilt einmal von der Unterscheidüng zwischen Vernunft- und Gehorsamsgesetzen, die den letzteren den Vernünftcharakter abspricht, aber wie es scheint, nimmt Pseudö-Bahja grundsätzlich daran Anstoß, daß der Sinn des göttlichen Gebotes utilitaristisch verstanden wird und sieht darin eine Verkennung der VernuiiftnotWendigkeit der Gebote1: Eine unausgesprochene Polemik gegen die Lehre von dem bloß praktischen Ziel der Offenbarung ist in den Ausführungen des Maimonides über das Ziel der göttlichen Gesetzgebung zu erblicken. Er sieht den Unterschied zwischen einem von Gott offenbarten : und einem von einem menschlichen Gesetzgeber herrühreüdeh Gesetz 1eben darin, daß; das menschliche Gesetz nur die Ordnung des Staates und die Wohlfahrt seiner Angehörigen bezweckt, während das göttliche Gesetz darüber hinaus das Ziel hat,! die wahre Erkenntnis von Gott und der metaphysischen Wirklichkeit überhaupt mitzuteilen und den Menschen zu seiner höchsten Vollkommenheit, der spekulativen, zu bringen. Nur ein solches Gesetz entstatnmt der prophetischen, Intellekt und Einbildungskfaft umspannenden Ihspirätiön; söweit bei einem lediglieh politischen Gesetz von Inspiration die Rede sein kann, ist es die niederste Stufe derselben, die sich nur auf die Einbildungskraft 1 erstreckt! ‘ Bei alledem aber* hat Maimonides offenbar bestimmte 1 Kitab ma‘ani al nafs III, ed. Goldziher S. 1719—־, bebr. Über- Setzung von Broyde5 S. 21—24.!?

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