Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1934-01-01 · Heft 4 · p. Seite 446

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
78 (1934)
Issue
Heft 4
Article
Zur Formengeschichte des altjüdischen Gebetes
Date
1934-01-01
Page
Seite 446 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2829132-2829999-2830004-2838998--52918-2839089
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

446 A. Spanier in den Du-Stil umzuschlagen pflegt. Es ist das schwerlich allein durch den Inhalt der Stücke bedingt. Denn wenn auch zweifellos der Du-Stil gerade dem Dank- und Bittgebet sehr gemäß ist, so ist doch andererseits festzustellen, daß er — wie der מיי שברך-Stil zeigt — auch für diese Gebete nicht das einzig Mögliche ist und daß in der Tefilla die zweite und die dritte Benediktion, obwohl sie noch Preisgebete sind, doch schon den Du-Stil zeigen: Hier scheint vielmehr noch eine Äußerlichkeit mit im Spiel zu sein, und zwar eben die, daß für die vorangehende Klausel, wie wir gesehen haben, das אתה der Regel nach als alt und ursprünglich angenommen werden darf, und daß der Du-Stil, da er sich nun einmal eingestellt hatte, nun auch in der Fortsetzung der Kom- Position beibehalten wurde. Freilich herrscht auch bei den Bestätigungsgebeten, die ja nicht unmittelbar auf eine Klausel folgen, der Du-Stil vor. Er findet sich in יראו עינינו, obgleich die Klausel dieses selben Stückes so ausgesprochenen Er-Stil hat, weiter im ישתבח und in יהללוך. Schwierigkeiten bereiten nur אמת ואמונה und אמת ויציב. Das letztere Stück würde den klaren Du-Stil erst zeigen, wenn man den Satz לדור ודוד הוא קים ושמו קים וכסאו נכון ומלכותו ואמונתו לעד קימת ודבריו חיים וקימים נאמנים■ ונחמדים לעד ולעולמי עולמים als Einschub aussondern wollte. Dagegen hat אמת ואמונה allerdings im wesentlichen Er-Stil und sogar ausschließlich, wenn hier die Partie משדי ובני ישראל לך ענו שירה בשמחה רבה ואמרו כלם מי כמכה . .. מלכותך ראו בניך בוקע ים לפני משה als Einschub betrachtet werden darf. Das muß sie nun, wie uns scheint, unbedingt. Denn die Zitierung des Satzes מי כמכה will im Morgengebet den Beleg für die . ♦ ♦ זמירות שירות ותשבחות bringen, und wenn der Interpolator diesen Satz מי כמכה mitsamt den ihm unmittelbar vorhergehenden Worten in das Abendgebet verpflanzte, so ließ er dabei außer acht, daß das Abendgebet ja schon zu der Feststeilung ומלכותו ברצון קבלו עליהם vorgedrungen war: er hat also seine Interpolation an falscher Stelle gemacht. Die Worte ומלכותו ברצון קבלו עליהם selbst hängen übrigens mit זה אלי so eng zusammen, daß der Interpolator sich genötigt sah, auf sie mit מלכותך ראו בנייך zurückzugreifen, wobei aber auch das wieder zu bemerken ist, daß die alt jüdische Literatur wohl den Begriff der קבלת מלכות, nicht aber den der ראיית מלכות kennt1. 1 Für die obige Darstellung verschlägt es nichts, *ob der Einschub

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.