Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Formengeschichte des altjüdischen Gebetes
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 447 (sequence 10)
- Language
- German
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Zur Formengeschichte des alt jüdischen Gebetes 447 Was. den von uns in אמת ויציב bezeichneten Einschub angeht, so ist auch durch seine Einfügung der Zusammenhang nicht wenig gestört worden. Charakteristisch ist, daß die Worte אמת אלהי עולם מלכנו צור יעקב מגן ישענו unter dem Einfluß des folgenden Einschubs vielfach‘falsch‘aufgefaßt worden sind und jedenfalls sehr verschieden übersetzt werden. Sachs z. B. übersetzt: Wahr ist der Weltengott, unser König. . . Fürstenthal übersetzt: Fürwahr! Er, der Weltenherr, ist unser König. . . Das Gebetbuch für die liberalen Synagogen in Berlin, 1932, übersetzt : In Wahrheit, der Ewige Gott unser Herr, ist Jakobs Hört. Nach unserer These wäre dagegen im Zusammenhang zu übersetzen: Wahr und feststehend ... ist dieses Wort für uns auf immer. Wahr ist es, Herr der Welt; König, Hort Jakobs, Fels unseres Heils, für rinsere Väter und uns, für unsere Kinder und Kindeskinder . . . (die Periode schließt erst bei, חוק ולא יעבור, um dann sofort mit . einem neuen r^־Satz weitergeführt zu wrerden).. Als eine Bestätigung tinserer Auffassung betrachten wir es, daß eine Handschrift des Seder Rab Amram (ed. Frumkin S. 210 u. 222) hinter ולעולמי עולמים hinzufügt מושך חסד ליודעיו וצדקתו לישר לב אמת על אבותינו ועלינו. Hier zeigt sich also, daß einer, als er die Interpolation in seinen Siddur aufnahm, dabei das Bedürfnis fühlte, auf den ursprünglichen Kontext;zurückzulenken.1;;;; Aus alledem dürfte sich ergeben, daß die älteren Gebetstexte in der Anwendung des Du- und Er-Stiles eine größere Präzision :und Konsequenz aufweisen, als ihr jetziger Zustand.teilweise zunächst vermuten läßt. Daß in späteren Texten, wie. z. B. in der das ק״ש על דזמטה eröffnenden Benediktion, von vornherein eine gewisse Verwirrung herrscht, darf nicht wunder nehmen. unmittelbar aus dem Morgengebet lierrührt oder aus einer Version des Abendgebetes, die der des Morgengebetes nahe stand. Daß es Texte des Abendgebetes gab, in denen מי כמכה in formal einwandfreiem Zusammenhang erschien, zeigen die Genisa-Fragmente HUCA II 307 f. 7 Nachträglich werde ich auf den von S. Schechter J QR X S. 656 veröffentlichten Text hingewiesen. Dort heißt es אמת ויציב ונכון וקיים וישר ובאמן וטוב הדבר הזה עלינו ועל אבותינו על בגינו ועל דורותינו ועל כל דורות זרע ישראל עבדיך על הראשונים ועל האחרונים לעולם ועד חוק ולא יעבור אמת שאתה«* Ein Vergleich dieser Version mit der von uns postulierten und mit der jetzt üblichen ist für die Erkenntnis des allmählichen Wachstums der Texte belehrend.