Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die vierte Eulogie des Tischgebetes
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 433 (sequence 4)
- Language
- German
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Die vierte Eulogie des Tischgebetes 433 Betar bestattet wurden, sich endgültig befestigt habe (נקבעה und nicht wie babl. ׳■ “.(תקנו ■In Babli 48 b ist aber mit den Handschriften zu lesen: הטוב ובטיב ביבנה תקנוה דאמר רב כחנה וכף (und nicht תקנוה כנגד הרוגי ביתר) und die Stelle ,,will aus den Worten Matnas auch nur beweisen, daß jene Eulogie bis zur Niederlage von Betar bei den Trauernden ungebräuchlich war. Dies gilt ja aber zugleich als Beweis, daß die Eulogie überhaupt nicht als biblisch geboten, sondern nur als Verordnung des Synhedriums zu Jabne anzusehen sei“, ähnlich wie R. Nachman b. Jizchak Babli 46 folgert: תדע דהטוב והמטיב לאו דאורייתא שהרי עוקרין אותה בבית האבל וכר. (S. 111 Anm. 3). Ich glaube, daß dies eine zu gewaltsame Lösung der Schwierigkeit ist und daß der Knoten nicht gelöst, sondern durchhauen ist. Erstens ist weder im Babli noch im Jerusch, in den Aussprüchen der Amoräer eine Spur von den Trauernden zu finden. Zweitens darf weder dem Jeruschalmi noch dem (R. Nachman in) Babli, die aus R. Matna bzw. R. Huna folgern, daß הטוב והמטיב erst später verordnet wurde, der Gedankengang des R. Nachman b. Jizchak unterlegt werden. Ich glaube vielmehr nachweisen zu können, daß die Entwicklung der vierten Eulogie eine andere war. Ursprünglich war diese Berakha allgemein gefaßt, als Dank für die uns von Gott erwiesenen Wohltaten. Nach jeder Mahlzeit wurde dieser allgemeine Dank dem Tischgebet beigefügt. Der Wortlaut war anscheinend nicht festgesetzt und der Stimmung des einzelnen überlassen, ähnlich wie wir es oben von R. Jose Haglili gehört haben. Dagegen war die Eulogie הטוב והמטיב nur für bestimmte freudige Ereignisse angeordnet (BerakhotlX, 1). Nach der geglückten Bestattung der Leichen von Betar wurde nun die Eulogie הטוב והמטיב der vierten Berakha im Tischgebet eingefügt und so der ganzen Berakha ein festes Gepräge verliehen. Diese Entwicklung läßt sich an Hand der Quellen verfolgen. Die alten Tannaiten nämlich sprechen wohl von der vierten Berakha, kennen aber für sie keinen bestimmten Namen. Die späteren, oder gar die Kopisten, setzten dagegen dafür oft den ihnen geläufigenNamen הטוב והמטיב ein1. 1 Wie weit die Gewohnheit ging, Bekanntes an Stelle von Unbekanntem zu setzen, zeigen in unserem Falle auch Tosafot Pesachim 104b v. חוץ u. a., die aus Jerusch. Ber. I (nach Babli) anführen: שגייא ביבבה תיקנוה, obwohl Jerusch, nirgends Jabne erwähnt! Monatsschrift, 78. Jahrgang 28