Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Typen der prophetischen Visionen in der Bibel
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 423 (sequence 25)
- Language
- German
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Moses Sister 423 Im Kriege zieht vor babylonisch-assyrischen! Heer der Wahrsager her, der dem Könige und dem Heere die Träume deutet. In den mesopotamischen Bibliotheken, gab es eine größere Zahl von Traumbüchern mit Deutungen. Das Traumdeuten galt als ein besonderer Beruf (pasir sunati). Auch der Seher (bdrd) deutete durch Wahrsagung die Zukunft. Eines der vielen Mittel, deren er sich bediente, war das Ableiten der Omina von Träumen. Abgesehen von den häufigen Schilderungen des Erscheinens der Gottheit im Traume (Gen 203-—Abimelech, Gen 2812, 3110-13, 462 — Jakob, Gen 3124— Laban, Gen 15 — Abraham, I Sam 3 — Samuel, 1 Kön 35-15 u. a.) haben wir in der biblischen Literatur sehr wenig Beschreibungen und Deutungen von Träumen. Für das Wenige ist charakteristisch, daß sich fast alle unter fremden Völkern abspielen: in der Gideongeschichte bezieht sich der Traum (Ri 71315־) auf die Midianiter, die Traumdeuter. Josef und Daniel sind zwar Israeliten, aber von ihnen selbst werden nur wenige Träume berichtet, dagegen viel von den Träumen der Ägypter und Babylonier, die sie gedeutet haben (Dan 2. 4, Gen 376-9, 40, 41). Nur aus einigen dürftigen Stellen kann man schließen, welche Wichtigkeit man in alten Israel dem Traum und seiner Deutung beigemessen hat. Die Gottheit gibt Auskunft über die Zukunft, über das Schicksal des Einzelnen, darauf deutet Job 3315f. hin, und in I Sam 28615־, wo Saul den Ausgang seines bevorstehenden Kampfes mit den Philistern wissen möchte, heißt es: וישאל שאול ביי ולא ענהו יי גם בחלומות גם באורים גם בכבאים. Den Propheten offenbart sich Gott auch durch Träume (Num 12e). Der Prophet נביא wird auch in manchen Stellen in Parallele zu חולם, zum Träumer oder Traumdeuter gebracht, so Dt 132, wo es heißt: כי יקום בקרבך נביא או חולם חלום. Daß dieser Traumdeuterberuf in Israel sehr verbreitet war, das zeigen die Stellen Jei* 2325298 ,279 <26־־, aus welchen auch hervorgeht, daß die vorexilischen Propheten sich von diesen Träumern oder Traumdeutern distanzieren wollten, indem sie erklärten, der Traum sei nicht die Form der göttlichen Offenbarung. Es ist auch verständlich, daß eine so wichtige geistige Erscheinung auf die Form der Dichtung gewirkt haben muß. Die Form der Schilderung der Träume und ihrer Deutungen ist das Muster (der Prototypus) für die Form der Visionsgattung. Im Traume erscheint die Gottheit oder der Engel Gottes