Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Typen der prophetischen Visionen in der Bibel
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 418 (sequence 20)
- Language
- German
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418 Die Typen der prophetischen Visionen in der Bibel sonders aber bei Sach dient die Visionsform zur Gestaltung von Gedanken über das neue Reich, über die notwendigen Vorbedingungen der messianischen Zeit, — der Stoff, der in den Visionen des Danielbuches verarbeitet wird, ist die Weltgeschichte selbst. Der wichtigste Zug der Visionsgattung, nämlich daß sich ihr Inhalt stets auf die Zukunft bezieht, begünstigt die Entstehung der apokalyptischen Literatur. Alle vier Gesichte im Danielbuche, nämlich 1. Kap. 7, 2. Kap. 8, 3. Kap. 9 und 4. Kap. 10—12, geben Darstellungen der vergangenen und gegenwärtigen Geschichte und Prophezeiungen über die Zukunft. Die Visionsform ist im allgemeinen die traditionelle geblieben: geschautes Bild, Überleitungsteil durch Fragestellung nach der Deutung, und die Deutung. Weil der Zweck dieser Literatur, die um das zweite Jahrhundert v. Chr. verfaßt worden ist, war, Ermunterung und festen Glauben an die Erlösung in die Reihen der bedrückten Jaden zu bringen, stellte sie den Verlauf der vergangenen und gegenwärtigen Geschichte als die Verwirklichung der Prophezeiungen von Männern aus der alten Zeit dar, so daß die Bedrückten die Sicherheit gewinnen konnten, das für die Zukunft von diesen Männern vorausgesagte gehe auch der Verwirklichung entgegen Die erste Vision — Kap. 7 — ist in aramäischer Sprache abgefaßt. In V. 1 wird Zeit und Ort des Traumes angegeben. Es folgt von V. 2 ff. das Geschaute, eingeleitet mit חזה הוית■ בחזרי עם ליליא וארו.... Das Geschaute besteht aus verschiedenen Bildern, wovon jedes mit einer besonderen Formel eingeleitet wird: (79. 2!) חזה הוית oder (77. 13) חזה: הוית בחזוי ליליא. Im ersten Bilde (738־) erscheinen ־vier ungeheuerliche Fabelwesen, wie sie die babylonisch-assyrische, hethitische und persische Kunst liebt, die aus dem von den vier Winden aufgepeitschten Meere heraussteigen. Gunkel glaubt in diesem Bilde den babylonischen Tiamatmythus wiederzufinden. Das Geschaute wirkte erschreckend auf Daniel (715), er verlangte nach einer Erklärung (716) und erfuhr die Deutung der Dinge 717-18) פשר מליא). Woher die Gestalt des Hochbetagten in dieser Vision gekommen ist, ist nicht klar. Sie erinnert an den babylonischen Mondgott Sin, der gern mit lang wallendem Bart auf einem Sessel dargestellt wird. Noch unklarer ist die Herkunft der Gestalt des Menschensohnes oder