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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1934-01-01 · Heft 4 · p. Seite 396

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
78 (1934)
Issue
Heft 4
Article
Der persönliche Gott
Date
1934-01-01
Page
Seite 396 (sequence 12)
Language
German
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396 Lothar Lubasch Weise nicht erklären, die Existenz der moralischen Weltordnung. Diese besagt, daß dem Menschen eine besondere Stellung im Zusammenhang der Dinge zugedacht ist. Der Mensch wird nicht nur von mechanischer Kausalität beherrscht, er ist nicht nur Gegenstand und Objekt wie der Stein, den die Schwerkraft nach einer Richtung hin bewegt, sondern zu seiner Bestimmung gehört die persönliche Entscheidung, er hat Anteil an der sittlichen Welt- Ordnung. Ist nun eine moralische Weltordnung denkbar;■die von einer abstrakten, unpersönlichen Macht dem Ich deis Menschen seinen Antrieb verleiht? Ein blinder Mechanismus wird niemals diese Bedingung zu erfüllen vermögen. Prinzipien und: Gesetze werden nie den Menschen zur Höhe seiner Bestimmung führen können. Der objektive Befund einer moralischen Macht im Leben, die immer wieder unser Sein durchbricht, erfordert unweigerlich den persönlichen Gesetzgeber. Die Idee der Allmacht, die zum Gottesbegriff gehört, verlangt in ihrer höchsten Form ebenfalls den persönlichen Gott. Der Mensch selbst ist , das beste Beispiel für die Beherrschung der Natur ohne mechanischen Zwang. Durch persönliche Willenskraft vermögen wir den kausal bestimmten Gang unseres Körpers einem von uns selbst gesetzten Ziel unterzuordnen. Innerhalb gewisser Grenzen leiten wir durch unsere Persönlichkeit die Kräfte des Körpers. Wir durchbrechen nie ihren mechanischen Zusammenhang, aber wir ordnen ihn einer anderen höheren Gesetzmäßigkeit unter. Die Herrschaft über fremde Menschen erfolgt nicht durch kausal mechanisches Eingreifen, sondern durch die eigentümliche Macht der Persönlichkeit. Jede menschliche .Führernatur, zu der wir aufblicken, wirkt auf uns durch die persönliche Eigenart ihres Wesens. Auch die pathologischen Erscheinungen wie Hypnose, Suggestion usw. enthüllen die übermechanischen Kräfte des Menschen, die nur in der Persönlichkeit ihren zureichenden Grund haben. Übertragen wir unsere Resultäte auf Gott, so dürfen wir sagen, daß das Prinzip einer höchsten Macht, die nicht nur die äußere Beherrschung der Welt verkörpert, sondern die vor allem die innere Macht über alles Sein mit Ein- Schluß des menschlich Individuellen besitzt, nur in der Form der Persönlichkeit denkbar ist. Betrachten wir den Begriff der Geistigkeit, den wir

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