Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Der persönliche Gott
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 395 (sequence 11)
- Language
- German
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Der persönliche Gott 395 Eindrücke einer Außenwelt warten, die sich uns partiell erschließt. Durch langwierige Kombinationen, die durch den Subjektivismus des Menschen erschwert werden, gewinnen wir nur ein sehr unvollkommenes Bild vom Weltganzen. Die räumliche und zeitliche Begrenztheit unseres Standortes in der Welt, von der wir aus die Wirklichkeit betrachten, offenbart uns die Schranke, die unserem Ich durch die Welt gesetzt ist. Denken wir uns nun einen unendlichen Geist, für den die Schranken der Außenwelt nicht bestehen, in dem vielmehr diese Welt ihre Bedingung findet, so fällt alles Begrenzende fort. Bei der göttlichen Persönlichkeit ist das Denken auch nicht diskursiv wie bei dem endlichen menschliehen Geist, sondern es ist intuitiv, es umfaßt ohne jeglichen Umweg das gesamte Sein. Auch das menschliche Handeln ist durch die Außenwelt begrenzt. Obwohl sich der Mensch die Kräfte der Welt dienstbar macht, bleibt er doch an diese Welt gebunden. Durch seine materielle Beschaffenheit ist der Mensch auf die Mittel der Sinnlichkeit angewiesen. Raum und Zeit sind Schranken, die sein Ich umlagern. Dieselbe Außenwelt also, die die menschliche Persönlichkeit zur Entwicklung bringt, begrenzt und beschränkt sie zu gleicher Zeit. Für den absoluten Geist ist also eine Außenwelt nicht erforderlich. Die Welt ist das Produkt der frei schaffenden Persönlichkeit Gottes. Wir können also sagen, daß das Ideal der freien Persönlichkeit erst in Gott seine Realisation erfährt, das menschliche Ich ist nur ein schwacher Abglanz. Versuchten wir bisher, die Einwände gegen die Persönlichkeit Gottes abzuwenden und die Möglichkeit eines persönlichen Gottes aufzuweisen, so können wir jetzt einen Schritt weiter gehen und die Persönlichkeit Gottes als ein rationales Postulat auf weisen. Wir sehen uns in einer Welt befangen, die in steter Entwicklung begriffen ist, eine ewige Lebendigkeit ist ihr Kennzeichen. Nun ist dieses Werden kein planloses und willkürliches, sondern es wird durch Folgerichtigkeit, Zusammenhänge und Notwendigkeit beherrscht. Die mechanistische Theorie behauptet, daß unpersönliche Naturgesetze den Gang der Welt bestimmen, und daß in ihnen allein der Weltlauf seine zureichende Begründung erfährt. Selbst dann, wenn wir diese der Religion widersprechende Behauptung zugeben wollten, läßt sich eine Tatsache auf diese