Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Der persönliche Gott
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 394 (sequence 10)
- Language
- German
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394 Lothar Lubasch durch die Setzung eines Nichtich geschaffen wird. Das Ich existiert, gleichviel ob ein Nichtich vorhanden ist oder nicht. Die Korrelation zwischen Welt und Ich ist lediglich eine kognitive, d. h. wir ,,erkennen“ ein Ich erst durch die Gegenüber־־ Stellung eines Nichtich. Dieser Erkenntnisakt ist aber keineswegs primär für die Persönlichkeit. Unmittelbar entdeckt sich das Ich im Emotionalen. Jedes Gefühl der Lust oder Unlust offenbart es uns. Unmittelbar, ohne Abgrenzung gegen irgend etwas anderes erleben wir unser Ich. Auf Gott angewandt, bleibt der Begriff der Persönlichkeit unberührt, da die Korrelation einer Welt für ihn nicht erforderlich ist. Nun ist für den endlichen Geist typisch, daß. er zur Entwicklung seiner Persönlichkeit eines Anstoßes von außen bedarf. Vorstellungen, Gefühle, Wünsche bedürfen eines Antriebes zur Entfaltung, der außer ihm liegt. So scheint also wieder das Ich an eine Außenwelt gebunden zu sein, die seine Existenz bedingt. Aber auch diese Wechselwirkung ist kein konstitutives Merkmal der Persönlichkeit. Denn einmal muß das Ich früher da sein als die Außenwelt, um von ihr beeinflußt zu werden. Dann aber ist das Bewußtsein nicht nur rezeptiv, es nimmt Eindrücke nicht nur passiv entgegen, sondern es ist auch spontan und schöpferisch. Sinnesempfindungen, Gefühle, logische Kategorieen strömen ihm nicht nur aus der fremden Welt entgegen, sondern sind sein Eigen. Mit ihnen ausgerüstet, tritt das Selbstbewußtsein den Dingen gegenüber. Die Außenwelt dient als Anreiz zur Entfaltung der dem Bewußtsein bereits eigentümlichen Funktionen. Das höchste Wesen würde also in absoluter Spontaneität, als schöpferische Persönlichkeit, den Weltenlauf gestalten, ohne durch eine Wechselwirkung von außen her bestimmt zu sein. Vergessen wir aber nicht, daß für die menschliche Persönlichkeit die Außenwelt nicht nur Förderung und Entfaltung bringt, sondern negativ ihrer Entwicklung eine starke Schranke auferlegt. Das menschliche Denken ist im allgemeinen diskursiv, d. h. es vollzieht nicht gleichzeitig die Verbindung mehrerer Vor- Stellungen zu einem Ganzen, sondern es schreitet langsam, durch Folgerungen und Schlüsse, durch allmählich gewonnene Erfähfahrungen einer Außenwelt, die wir nur in Bruchstücken uns erschließen, zu allgemeinen Gesetzen empor. Wir müssen auf die