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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1934-01-01 · Heft 4 · p. Seite 393

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
78 (1934)
Issue
Heft 4
Article
Der persönliche Gott
Date
1934-01-01
Page
Seite 393 (sequence 9)
Language
German
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Der persönliche Gott 393 voran. Ferner gibt es hier kein Aufgehen der Ursache in der Wirkung wie in der Welt der Dinge, Im Leben der Seele verharrt die Ursache als Erinnerung. Sie hebt Vergangenes hinein in die Gegenwart, sodaß Vergangenheit auf Gegenwart und Gegenwart auf Vergangenheit wirkt. In der Persönlichkeit findet sich also ein Wirken, das aller Kausalität zuwider läuft. Wesenhaft für den Begriff der Persönlichkeit ist der Begriff des Ich, um das sich alles bewegt. Zum Begriff des Ichmittelpunktes gesellt sich ferner der Begriff der Freiheit. Wirkt die unpersönliche Natur mechanisch, entsprechend dem Gesetze von Ursache und Wirkung, sodaß jede Wirkung aus einer Ursache u. s. f. bis ins Unendliche zu verstehen ist, so ist die Persönlichkeit durch ihre Freiheit charakterisiert. Das Ich steht nicht innerhalb einer unendlichen Reihe kausalen Geschehens, sondern an ihrem Beginn. Für das Ich ist charakteristisch die Schöpfung aus dem Nichts. Es bestimmt autonom seinen Weg mit Hilfe der ihm dienenden Naturgesetzlichkeit. Die Autonomie persönlichen Lebens ist für das höchste Wesen typisch. Da hier Uebereinstimmung zwischen menschlicher und göttlicher Persönlichkeit besteht, entfällt für die personenhafte Erfassung Gottes jede Schwierigkeit. Erst der Begriff der Persönlichkeit als Ichzentrum ist in seiner Übertragung auf Gott nicht ganz eindeutig und erfordert eine nähere Analyse. Wir sehen davon ab, daß wir menschliche Persönlichkeit nur als zeitlich und räumlich begrenzte Individualität vorfinden, die natürlich auf Gott nicht übertragbar ist. Aber selbst abgesehen von dieser elementaren Schranke bleibt ein schwerwiegender Ein wand gegen die Persönlichkeit Gottes bestehen. Dem Begriff des Ich als Mittelpunkt der Persönlichkeit steht die Außenwelt als notwendige Ergänzung gegenüber, von der sich das Ich abheben muß, um ein Ich zu sein. Persönlichkeit scheint die Außenwelt als notwendiges Korrelat zu fordern. Korrelation bedeutet aber wieder Abhängigkeit und Bestimmtheit. Sollte die Persönlichkeit Gottes durch diese Bedingtheit erst gewonnen werden, dann wäre Gottes Absolutheit angetastet, er wäre nicht der all vermögende, alles überragende Gott der Religion. Aber dieser Ein wand schwindet bei näherem Durchdenken, bereits wenn wir ihn auf die menschliehe Persönlichkeit anwenden. Es ist nicht so, daß das Ich erst

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