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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1934-01-01 · Heft 4 · p. Seite 392

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
78 (1934)
Issue
Heft 4
Article
Der persönliche Gott
Date
1934-01-01
Page
Seite 392 (sequence 8)
Language
German
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392 Lothar Lubasch aller Wirklichkeit wird also erkannt und ist zu gleicher Zeit unerkennbar, er ist in allem Sein und steht über allem Sein. Diese Paradoxie aufzudecken und zu betonen, ist notwendig, um das Problem Gottes und seines Wesens von seiner rationalen und irrrationalen Seite her zu erfassen. Mittelpunkt des religiösen Lebens ist das Gebet, in ihm enthüllt sich in aller Deutlichkeit der Anspruch des religiösen Menschen. ,,Mein Gott bist Du, und ich will Dir danken“, sagt der Psalmist. Der Mensch darf zu Gott sprechen und Gott erhört ihn. Darum ist es bei aller Distanz ein eigenartig Verbindendes, das die Spannung zwischen Immanenz und Transzendenz zu überwinden strebt. Gott wird. persönlich erlebt, Gott ist das Du, das dem betenden Ich gegenüber tritt; Persönlichkeit ist das entscheidende Merkmal, das das religiöse Leben charakterisiert. Sie ist etwas so selbstverständliches für den betenden Menschen, daß eine Reflexion darüber unnötig erscheint. Gebet, Andacht, Liebe, Reue, Sündengefühl, kurz alle religiösen Stimmungen, die sich im Gebet äußern, tragen diesen Gedanken als Voraus- Setzung in sich. Erst die Reflexion stellt die kritische Frage: Ist der Begriff der Persönlichkeit auf das überweltliche Wesen Gottes anwendbar? Ist nicht umgekehrt Persönlichkeit das Merkmal, das den Menschen charakterisiert, ja ist sie nicht das wesentliche Attribut menschlichen Daseins? Erfährt das Absolute und Transzendente nicht gerade durch den Begriff der Persönlichkeit eine Abwertung und wird damit zur Sphäre des immanenten Seins degradiert? Diese Frage ist eigentlich die Grundlage der gesamten Attributenlehre und geht der Aufweisung jeglicher Eigenschaften Gottes voran. : Um sie zu beantworten, bedarf es zunächst einer Klärung des Begriffes der Persönlichkeit. Was ist typisch für sie, und was unterscheidet sie prinzipiell von allen anderen Formen der existierenden Dinge? Persönlichkeit bedeutet das unmittelbare Bewußtsein eines Ich, das sich als eine in sich geschlossene Einheit von allen anderen Dingen unterscheidet. Die Einheit aber, die das Ich verkörpert, ist keine1 mechanische Summation von Teilen, die erst durch ihre Zusammensetzung. nachträglich ein Ganzes bilden. In der Persönlichkeit ist der Begriff des Ganzen primär und geht seinen Teilen wider: alle Mechanik konstitutiv

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