Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Der persönliche Gott
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 391 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Der persönliche Gott 391 Realität gar nicht erwehren. Jeder physische Schlag, der mich trifft, offenbart mir emotional das Vorhandensein einer Wirklichkeit, die ich nicht erst erschließe, sondern die ich unmittelbar erlebe, und deren Existenz sich mir unabweisbar aufdrängt. Mit diesen Erwägungen ist nicht nur ein neuer metaphysischer Standpunkt ermöglicht, sondern, was wichtiger für unsere Untersuchungen ist, wird dem Erleben im Gegensatz zum Intellekt eine beherrschende Stellung in den Fragen der Weltanschauung zugewiesen. Auf dem Erlebnis beruht Religion. Ein neuer Aspekt eröffnet sich also für ihren Wahrheitsanspruch. Religion wie Metaphysik beruhen auf emotionalem Grunde. So gewinnt der religiöse Ansprach des frommen Menschen ein neues Gesicht. Es ist nicht nur subjektives Erleben, sondern in ihm kann sich ein religiöses Sein offenbaren, das den Anspruch objektiver Realität in sich trägt. Die neue weltanschauliche Situation betrachtet daher das Erleben des religiösen Menschen und seinen Anspruch als eine Position, die einer philosophischen Begründung fähig ist. Dem religiösen Bewußtsein ist es eigentümlich, nicht nur auf die Existenz Gottes hinzuweisen, sondern es will dieses Göttliche in irgend einer Form ergründen, da religiöses Leben eine Gemeinschaft mit Gott fordert. Welcher Weg führt zur Erfassung des göttlichen Wesens? Die Welt, in der wir leben, ist der erste Anhaltspunkt zur Ergründung des Uberweltlichen, denn sie ist die Offenbarung Gottes. Erweisen wir aber Gott nur aus der Schöpfung, dann fällt Gott mit der Welt zusammen, wir kommen unweigerlich zu einem pantheistischen System. Gott wird dann der immanente Gott, der jedes Eigensein verliert. Wollen wir aber Gott aus sich begreifen, als den, der in unerkennbarer Ferne über allem welthaften Sein thront, so löst sich der Göttesgedanke in nebelhafte Jenseitsmystik auf, und das religiöse Leben zerbricht an seiner eigenen Unbegreiflichkeit. So schwankt unser religiöses Erleben zwischen dem Begreifen Gottes und dem Mysterium des Göttlichen. Vor allem Erkennen aber steht das Bewußtsein des Unergründlichen, das nicht nur eine Grenze jeglichen Ver- Stehens bedeutet, sondern das zugleich fundamental für die neue seelische Haltung des Menschen ist, von der die Bibel sagt: ,,Die Gottesfurcht ist der Anfang jeder Erkenntnis“. Gott als Grund