Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1934-01-01 · Heft 4 · p. Seite 390

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
78 (1934)
Issue
Heft 4
Article
Der persönliche Gott
Date
1934-01-01
Page
Seite 390 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2829132-2829999-2830004-2838995--52858-2839033
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

390 Lothar Lubasch Es ist nicht einzusehen, warum der menschliche Verstand der Gesetzgeber der Natur zu sein beansprucht es wäre genau so gut denkbar, daß Raum und Zeit nicht nur Formen der Anschauung, daß Kategorien nicht nur Verstandesbegriffe sind. Es besteht keine Notwendigkeit für die Existenz eines transzendentalen Subjektes, damit es synthetische Urteile apriori gibt. Notwendig ist nur eine Gesetzessphäre, die Objekt und Subjekt: gemeinsam umschließt. Diese Sphäre kann aber durchaus objektiver Natur sein. In der Ueberordnung; des menschlichen Subjektes über das Sein liegt ein ־ verkappter Anthropomorphismus (N. Hartmann). Ferner ist die strenge Scheidung von Erscheinung und ,,Ding an sich" und die Begrenzung der Erkennbarkeit auf die Erscheinung kaum aufrecht zu halten. Kant selbst verwahrt sich auf das lebhafteste dagegen; Erscheinung mit bloßem. Schein zu verwechseln. Die Erscheinung wird bedingt durch eine tatsächliche Realität. Im1 anderen Fall wäre sie leerer Schein, dem keine Wirklichkeit entspräche. Hinter der Erscheinung steht das ,,Ding an sich". Erkenne lch also die Erscheinung dieses Dinges, so habe ich zugleich zum mindesten einen Teil der wahren Wirklichkeit erkannt. Es ist ganz unmöglich, daß sich ״das Ding an sich" vollkommen dem Erkennfnisakt entzieht. Entweder Erscheinung und ,,Ding an sich" werden erkannt, oder beide sind unerkennbar. So öffnen sich die Wege zu einer neuen Metaphysik. Die erkenntnistheoretische. Überlegung selbst weist hin auf ein Sein, das nicht mehr vom Subjekt abhängig ist, sondern das von der ihm eigenen Gesetzmäßigkeit bestimmt wird. Entscheidender noch für die religiöse Sphäre ist folgende Überlegung. Warum soll das Moment des Kantischen Apriori nur auf das Erkenntnisvermögen beschränkt sein? Gibt es nicht eine Wirklichkeit, die auf ganz anderem Wege erfahren wird als auf dem1 der logischen Erkenntnis? Die gesamte Intuition tritt der Wirklichkeit von einer ganz anderen Sphäre her entgegen, und man kann mit vielen Gründen dartun, daß das Leben selbst und seine Erfahrungen, die auf emotionalen Momenten beruhen, den ersteh Zugang zur Realität finden, daß das erkennende Moment erst sekundärer Natur ist• Jegliches Erleben, jegliches Erleiden und Erfahren ist ein untrüglicher Zeuge für das wirkliche Seih. Der Mensch wird :v'om Sein direkt betroffen und kann sich der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.