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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1934-01-01 · Heft 4 · p. Seite 389

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
78 (1934)
Issue
Heft 4
Article
Der persönliche Gott
Date
1934-01-01
Page
Seite 389 (sequence 5)
Language
German
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IRI
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Der persönliche Gott 389 tritt das Ich, das transzendentale Subjekt. Es ist der Gesetzgeber alles materiellen wie psychischen Seins. Nur vom Ich aus und seiner eigenen unveränderlichen Struktur können wir die Welt verstehen. Was wir an Gesetzmäßigkeiten in ihr finden, sind nur die Formen, unter denen das Subjekt vorstellt, denkt, fühlt und empfindet. Das Ding an sich, das Sein in seiner Objelctivität weilt in unerkennbarer Ferne, ist ewig unserem Bewußtsein verschlossen. Es ist kein großer Schritt zu der Frage, welchen Sinn überhaupt die Setzung eines Dinges an sich besitzt. Ist es völlig unfaßbar für uns, dringt nichts von seinem wahren Wesen in unsere Welt, dann löst sich tatsächlich die Welt in eine Zahl von Erscheinungen auf, die nur subjektive Gültigkeit besitzen. Das Sein ist ein Strom von Gesetzmäßigkeiten, die identisch mit den Gesetzen unserer Seele sind, das eigentliche Sein ist zu einem nebelhaften Phantom entrückt. Und verflüchtigt sich nicht mit dem Ding an sich zugleich auch der Begriff Gottes? Auch Gott wird in Abhängigkeit vom Ich des Menschen gebracht. Religion ist eine Kategorie menschlichen Denkens oder subjektiven Erlebens. Was bleibt von der Wahrheit Gottes übrig, von einem Sein, das die Bedingung alles menschlichen und weitliehen Seins sein soll, während die subjektivistische Philosophie, sei sie rational oder irrational, umgekehrt Gott von den Menschen abhängig macht, und den Sinn Gottes als des Ueberweltlichen und Absoluten zur irdisch-menschlichen Sphäre relativiert? In scharfem Gegensatz zu Kants :Subjektivismus kennzeichnet unsere Zeit das Streben zum Objekt. An Stelle eines Bewußtseins, das schöpferisch die Welt produziert, tritt eine neue Seelenhaltung der Welt und Gott gegenüber, die wir als passiv, als empfangend bezeichnen können. Wir verlangen eine objektive Wirklichkeit, die ihre Gesetzmäßigkeit in sich selbst trägt. Ueber dem Ich des Menschen steht das Sein, das größer ist als er. Es gibt eine Wahrheit, die ihre Bedingungen in sich trägt. Aber nicht nur ein unklares Sehnen nach dem wirklichen Sein, das unabhängig von menschlichem Erkennen existiert, kennzeichnet die gegenwärtige weltanschauliche Lage. Entscheidender ist die Kritik, mit der man dem Kritizismus begegnet, und die den Subjektivismus in seinen Grundfesten erschüttert. Nur auf einige Angriffe gegen das Kantische System können wir hier skizzenhaft hinweisen.

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