Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1934-01-01 · Heft 4 · p. Seite 388

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
78 (1934)
Issue
Heft 4
Article
Der persönliche Gott
Date
1934-01-01
Page
Seite 388 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2829132-2829999-2830004-2838995--52856-2839031
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

388 Lothar Lubasch ein weiteres. Der Mensch erlebt Gott vor allem als das Geheimnis, das jede logische Umgrenzung verbietet. Gott ist der Unvergleichliche, der Einzigartige. Gott ist das Ineffabile des Mystikers, das sich jedem Denken entzieht, es aber dennoch dauernd bewegt. Unser Verstand begreift es nicht, denn es überschreitet nicht nur seine Grenzen; sondern es steht einer völlig inkommensurablen Größe gegenüber. Das Göttliche kontrastiert jeder menschlichen Begreifbarkeit und spottet einer logischen Fixierung, es ist gegen den menschlichen Verstand, es ist paradox (R. Otto). , Dieser radikalen Negation steht zunächst das praktische Bedürfnis der gläubigen Seele gegenüber. Die religiöse Praxis verlangt Gegenständlichkeit und eine gewisse Konkretisierung. Der fromme Beter, der vor Gott hintritt und seine Seele vor ihm ausschüttet, will kein abstraktes;Begriffsphänomen. Er sucht das Göttliche, das zwar ־ unendlich fern, unendlich überlegen, zugleich aber ihm so nahe ist, daß er ihm alle Sorgen seines Herzens an vertrauen kann. Hinzu kommt die Erkenntnis, daß Gott sich in dieser Welt manifestiert. Die Welt und was sie erfüllt ist seine Schöpfung. Er hat dem Sein das Gesetz, dem Menschen!das Gebot gegeben. Die Offenbarung des Göttlichen verlangt ein gewisses Bezugs Verhältnis zum menschlichen Subjekt. Wir stehen also vor! der eigenartigen Schwierigkeit, der Immanenz wie der Transzendenz Gottes in gleicher Weise; Rechnung zu tragen. Auf der einen Seite sollen wir das praktische und weltanschauliche Bedürfnis des Menschen berücksichtigen,, der mit Gott gewisse Vorstellungen verbindet, auf der anderen Seite soll aber eine Vermenschlichung des Göttlichen vermieden werden, um dem Ewigen nicht seine Einzigartigkeit und Ueberweltlichkeit zu nehmen. Zu diesen Schwierigkeiten, die aus der; Sphäre der Religion selbst kommen, gesellt sich der philosophische Einwand des Kritizismus,- der überhaupt jede transzendente Erkenntnis verwirft. Das ausgehende 19. Jahrhundert stand völlig unter der Herrschaft des Kantischen Systems. Dieses System ist der Abschluß׳ einer philosophischen Entwicklung,׳ auf die der ,,Allzermälmerdie transzendentale Antwort gab. Es weist hinein in eine Zukunft, die auf seinen Gedanken aufbaut, die seine Methodik, seine Fragestellung auf die Gesamtheit philosophischen Denkens anwendet; In den Mittelpunkt des Philosophierens

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.