Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Der persönliche Gott
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 387 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Der persönliche Gott 387 was Maimonides vermeiden wollte^ nämlich eine völlig anthropomorphe Vorstellung von Gott. Denn was wir Menschen begrifflieh auseinanderhalten, braucht keineswegs real von einander geschieden sein. Für Gott bedeuten! unsere, Attribute etwas ganz anderes als für uns Menschen. Gottes Ueberweltliclrkeit und Einheit werden also durch unsere Begriffsbestimmungen in keiner Weise an getastet. Noch stärker betont Kreskas die Persönlichkeit Gottes. Da die negativen Attribute des Maimonides nur einen Mangel an Gott negieren, sind sie tatsächlich positiver Natur. Gottes Unvergleichlichkeit wird durch die Fixierung von Eigenschaften nicht angetastet, denn Gottes Eigenschaften werden gekennzeichnet durch den Charakter der Unendlichkeit und Ursprünglichkeit, während die menschlichen Eigenschaften nur abgeleitet und endlicher Natur sind. Der Intellektualismus des Aristoteles erfährt durch Kreskas seine schärfste Ablehnung. Das Denken Gottes tritt völlig zurück hinter seine emotionalen Eigenschaften. Die Schöpfermacht des Ewigen wird durch den voluntaristischen Akt offenbart, der weit von einer Intellektualisierung entfernt ist. Wir Menschen aber erleben Gott vor allem in seiner Güte, die nichts mit einer 10־ gischen Funktion zu tun hat. Die schroffe Ablehnung jeglichen Anthropomorphismus bei den Philosophen erklärt sich z. T. durch die religiöse Scheu vor der Erhabenheit Gottes. Die Distanz zwischen Mensch und Gottheit wird als so überragend empfunden, daß die fromme Seele sich weigert, das Göttliche durch eine Formulierung zu begrenzen, die es wieder dem Irdischen nähert. In Gegenwart des Rabbi Chanina trug jemand das Achtzehngebet vor und sprach: ,,Du großer, mächtiger, erhabener, gewaltiger, starker, ehrfurchtbarer, machtvoller, fester, zuverlässiger, verehrter Gott“. Da sprach Chanina nach Schluß des Gebetes zum Vorbeter: ,,Hast du jetzt wirklich alle Lobpreisungen Gottes erschöpft? Wozu diese überschwängliche Fülle? Selbst die drei Eigenschaften ״großer, mächtiger und erhabener Gott“ hätten wir nicht sägen dürfen, wenn Mose sie nicht genannt, und unsere Weisen sie nicht für das Gebet festgesetzt hätten“. Aus diesen Worten, die Bachja und Maimuni zur Stütze ihrer Kritik an den positiven Attributen anführen, spricht! noch 25*