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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1934-01-01 · Heft 4 · p. Seite 386

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
78 (1934)
Issue
Heft 4
Article
Der persönliche Gott
Date
1934-01-01
Page
Seite 386 (sequence 2)
Language
German
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386 Lothar Lubasch haupt, erfaßt Gott durch die Intuition, die viel höher steht als das begriffliche Denken. Ist letzteres diskürsiv und gebraucht daher einen Umweg, um Gott zu erfassen, so zeitigt das Erlebnis Gott unmittelbar. Gott steht in einem persönlichen Verhältnis zu dem Menschen und wird von ihm als persönliches Wesen erlebt. Selbst Maimonides, als der entschiedene Vertreter rationalen Denkens innerhalb des Judentums, hält am persönlichen Gottesbegriff fest. Seine Auffassung ist beeinflußt durch den Gottesbegriff des Neuplatonismus, dessen Einheitlichkeit jede begriffliche Festlegung ausschließt. Gott ist frei von dem Gegensatz Subjekt-Objekt, der dem Erkennen zu Grunde liegt (Plotin). Jede Definition Gottes ist daher zum Scheitern verurteilt, weil ihr Wesen Unterordnung unter ein Begriffsschema ist, das eine Vielheit voraussetzt. Eine Aussage von Gott kann somit nicht mehr als eine Tautologie sein. Das Einzige, was wir von Gott positiv aussagen können, sind die von ihm ausgehenden Wirkungen. Nur auf diese Wirkungen beziehen sich die Aussagen der Bibel von Gott. Ist der positive Weg zur Gotterkenntnis verschlossen, so bleibt noch die Möglichkeit offen zu sagen, was Gott nicht ist, d. h. die negativen Attribute. Obwohl diese nie zu einer positiven Bestimmung Gottes führen, ist ihr Erkenntniswert nicht gering anzuschlagen, da sie unsere Vorstellung von Gott durch Ausschaltung aller falschen Bestimmungen klären und vertiefen. In diesen Negationen liegt die Auffassung, daß der Begriff Gottes einen Gehalt von höchster Posivität hat. Die negativen Attribute wie die der Wirkung greifen in einander und verdichten sich zu dem Grundsatz, daß Gott die unfaßbare Ursache des vollkommensten Wirkens ist. Was Maimonides veranlaßt, sich mit dieser Schärfe gegen eine positive Aussage von Gott zu wenden, ist die tiefe religiöse Demut, die sich scheut, den Abstand zwischen Gott und Mensch durch rationales Erfassen zu verringern. Die negative Attributenlehre ist die wissenschaftliche Form, in der sich die Gläubigkeit unseres Denkers offenbart (Julius Guttmann). Bei Ge rsonides finden wir eine Polemik gegen die Aberkennung der positiven Attribute.! Beruht die Ablehnung von positiven Attributen auf dem Gedanken, daß durch sie die Einheit des Gottesgedankens eine Trübung erfahre, so tritt gerade das ein,

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