Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 369 (sequence 4)
- Language
- German
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Besprechungen 369 den Aeltesten unseres Ortes“, d. h. Suras sich bei der Friedensschließung versammelt hätten. In einem Schreiben (S. 162) bittet der Verfasser, wohl Samuel, den beigelegten Brief nach Kairuan öffentlich vorzulesen, abzuschreiben, und ebenso wie es früher geschehen, die Briefe an andere Gemeinden zu schicken. Die früheren Briefe hätten Früchte (Spenden) gebracht und auch die jetzigen sollen es tun. Im Abschnitt über Palästina finden wir einen Bericht über einen Streit auf dem Oelberge am Hoschana Babba zwischen Babbaniten und Karäern (S. 315/16). Nach einem Brief des Gaons Salomo b. Jehuda in Jerusalem herrschte große Armut unter Juden, Verschuldung der Babbaniten und Karäer (317). S. 321: Vermächtnis für die Armen in Jerusalem. 'S. 354 ff.: Zerstörungen, Hunderte von jüdischen Gefangenen in Palästina, Bemühungen um Auslösung der Gefangenen. Keine Zeitangabe. Besondere Beachtung verdienen in dem Abschnitt über Palästina das Colophon des Fragments Adler Nr. 4012 und die von M. daran geknüpften Erörterungen (S. 333 fg.). M. nimmt ebenso wie Al. Marx an, daß Bl. 2 r. des bei Marx abgedruckten Fragments (Livre d’Hommage . . Poznanski S. 79 ff.) den Schluß des auf Bl. 1 erhaltenen Bruchteils der Bostanai-Erzählung darstellt, die wir ausführlicher aus zwei anderen Fragmenten kennen (Tykocinski in דביר I, S. 152 ff.). Das Colophon auf Bl. 2 1 beziehe sich auf diese Erzählung und besage, daß sie von Natan Gaon stamme aus der Zeit vor 1041. Dagegen spricht die im schroffen Gegensatz zu den GA. Hais und der anderen Geonim in der Bostanai- Erzählung aufgestellte Behauptung, daß Bostanai nur von der persischen Frau Söhne gehabt habe (Tykocinski daselbst, S. 145 unten ff., S. 155, S. 166). Eine solche falsche Angabe konnte der Schreiber nicht von den ״heiligen Vätern der Akademien“ empfangen haben, wie das Colophon .angibt. Auch die Schulhäupter in Palästina, die Mann unter den ״heiligen Vätern“ versteht (S. 334 oben) können wegen ihrer regelmäßigen Verbindung mit den babylonischen Akademien solche irrtümliche Nachrichten nicht gegeben haben. Eine Diskreditierung der Exilsfürsten in Bagdad und der karäischen Fürsten in politischer Absicht ist doch den Schulhäuptern in Palästina schwerlich zuzutrauen, besonders in einer Zeit, in der man an den babylonischen Akademien die Geschichte der bostanaischen Familie noch gut kannte. Kairuan, wo Matan lebte, stand mit Scherira und Hai in besonders regem Verkehr, und dort sammelte man eifrig die Gutachten der babylonischen Geonim. Kairuan war also gewiß kein günstiger Boden für Entstehung falscher Nachrichten der genannten Art. Außerdem trägt die Erzählung Züge einer Volkssage und stammt nicht von einer Akademie. Ferner ist zu beachten, daß der Inhalt von Bl. 2 r. in keinem Zusammenhang mit der Bostanai-Erzählung steht. Man wird daher annehmen müssen, daß das Colophon sich nicht auf die Bostanai-Erzählung, sondern nur auf eine unmittelbar vorausgehende, wohl von der Erlösung Israels handelnde Schrift — oder Schriften — bezog, welche die Lücke zwischen Bl. 1 und 2 des Fragmentes ausfüllte und deren Schluß Bl. 2 rechts bildete. Ein Monatsschrift, 78. Jahrgang 24