Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 368 (sequence 3)
- Language
- German
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368 Besprechungen Aufschlußreiche historische Nachrichten bieten die Texte betreffend die babylonischen Geonim. In einem guterhaltenen Schreiben von 962 bittet der Gaon Nechemja um Zusendung der bisher aus gebliebenen Spenden für die Akademie und um die öffentliche Verlesung des Bannes gegen seine Gegner (S. 8ל ff.). In einem stark lückenhaften Brief klagt Scherira, der Gegner Nechemjas, ebenfalls über das Fehlen der Spenden aus Aegypten und dem Westen seit dem Tode des Gaons Aharon (S. 95 ff.). Von freundschaftlichen Beziehungen zwischen der Akademie in Bagdad und der in Jerusalem zeugt ein Brief von Scherira und Hai aus dem Jahre 989 an das Schulhaupt in Jerusalem, in dem um öffentliche Verlesung eines beigelegten Schreibens (S. 106) gebeten wird. In einem Schreiben Hais, wohl an Jakob b. Nisim, bittet der Gaon, der Empfänger möge sich bemühen, R. Chanoch bezüglich der Antworten seines Vaters auf dessen Briefe zu überzeugen (S. 121). M., und ihm folgend auch Assaf (מספרות הגאונים, S. 221 unten f.), sieht in Chanoch den bekannten Gelehrten Chanoch b. Mose von Cordova und nimmt an, dieser habe sich geweigert, Scherira zu antworten (S. 111). Doch aus dem Zusammenhänge dürfte man eher schließen, daß dieser Chanoch am Orte des Empfängers, d. h. in Kaiman oder in leicht erreichbarer Nähe wohnte. Es ist nicht glaubhaft, daß Jakob b. Nissim in Kairuan den Auftrag bekommen haben sollte, mit einem Gelehrten in Cordova zu verhandeln. Auch die Vermutung Chanoch weigerte sich Scherira zu antworten, trifft kaum zu. Offenbar ist zwischen Scherira und Chanoch bei ihrem Briefwechsel eine Differenz eingetreten, die Jakob mündlich beseitigen wollte. Das Schreiben Hais vom Jahre 1006 ohne Anfang, wohl nach Kairuan, zeigt regen Verkehr mit Ägypten, Fez und dem ganzen ״Westön“ (S. 119 ff.). In einem Brief ohne Anfang von 977 (S. 155 f.) klagt der Verfasser, wohl Samuel b. Chofni, über viele Schulden, große Not, sogar Hunger, deutet an, daß ein anderer — er meint vielleicht Scherira — die ihm zukommenden Spenden an sich genommen habe. Er bittet in bewegten Worten von neuem um Unterstützung. Noch stärker sind die Klagen desselben Schulhauptes in einem weiteren, sehr lückenhaften Brief (S. 157 f.). Darin wird versichert, daß die Gelehrten oft hungerten, Mangel an Kleidern litten und ohne Unterstützung der Adressaten nicht unterhalten werden könnten. Die Leute in Babylonien seien verarmt und hätten infolge großer Gewalttätigkeiten und starker Ungerechtigkeit ihr Vermögen verloren. Der Gaon berichtet ferner, daß er mit Scherira und Hai, der seine Tochter geheiratet, unter Mitwirkung der Aeltesten seiner Akademie und der Aeltesten von Sura Frieden geschlossen und gewisse Vereinbarungen getroffen, die, wie wir aus einem anderen Fragment ersehen (Mann, Texts I, S. 159 A. 23), die Verteilung der Spenden mitbetraf. Die Verbesserung Manns מקומו statt מקומנו (S. 158 A. 20) und die Annahme, מקומו bedeute seine Akademie, d. h. Scheriras, sind nicht nötig. מקום bedeutet nicht Akademie, Saadyana, S. 120, worauf sich M. beruft, ist eine Anspielung auf eine Stelle in Genesis, was in unserem Fall nicht in Betracht kommt. Samuel will sagen, daß ״die Aeltesten unserer Akademie zusammen mit