Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1934-01-01 · Heft 3 · p. Seite 356

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
78 (1934)
Issue
Heft 3
Article
Der erste in Deutschland promovierte Jude
Date
1934-01-01
Page
Seite 356 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2829132-2829999-2830003-2838884--52799-2838952
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

356 Guido Kisch Ereignis darstellte, dem grundsätzliche Bedeutung zukam, weil es infolge seiner Präjudizialität von weitreichender Wirkung für die Zukunft sein konnte. Dessen war sich die medizinische Fakultät bewußt, als sie das entsprechende Majestätsgesuch abfaßte. Diesmal wurde nicht einfach das bei solchen Anlässen sonst übliche Formular nach Berlin gesendet, sondern ein ausführlicher Schriftsatz entworfen, in dem der neuartige Vorgang historische Erläuterung und sachliche Begründung fand. Die für die Geschichte des Universitätsstudiums der Juden in Deutschland denkwürdige Urkunde folgt weiter unten in vollem Wortlaut1. Die königliche Bewilligung blieb nicht aus2. Sie ebnete noch 28 jüdischen Medizinstudenten, die von 1721 bis 1794 an der Frankfurter Universität promoviert worden sind, den Weg zur Erlangung der Doktorwürde3. Am 4. September 1721 konnte Moses Salomon Gumpertz die Thesen seiner Inauguraldissertation ,,De diversione humorum per revulsionem ac derivatiönem eorundem“ in dem größeren Hörsaal der Frankfurter Universität öffentlich verteidigen4. Ein feierlicher Promotionsakt scheint darauf nicht mehr stattgefunden zu haben. Das Doktordiplom vom 15. Oktober 1721, das sich allein in einer Abschrift im Archiv des Ministeriums des Innern in Prag erhalten hat5, gibt den 22. September 1721, das Berliner Datum des königlichen Konzessionsreskripts, anstatt des Tages der Promotion in Frankfurt an. Der Verzicht auf die solenne Promotionsfeierlichkeit lag offenbar im Interesse des jüdischen Doktorkandidaten, dem dadurch neue Formalitäten, Schwierigkeiten und Zeitverlust erspart blieben, die ihm andernfalls zweifellos hätten entstehen müssen. Denn die Promotionen wurden damals noch in der Frankfurter Kathedralkirche abge- 1 Anhang Nr. 3. 2 Anhang Nr. 4. 3 Siehe S. 355 Anm. 2. 4 Laut Angabe im Promotionsgesueh der Fakultät, Anhang Nr. 3, und im Doktordiplom, Anhang Nr. 5. —. Die Dissertation erschien im Drucke bei Johann Ghristophorus Schwartz, dem Frankfurter Universitätsbuchdrucker, 38 Quartseiten umfassend. Ein Exemplar besitzt allein die Preuß. Staatsbibliothek Berlin in dem Sammelbande Signatur Ia 356, Nr. 38. 5 Anhang Nr. 5.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.