Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Der erste in Deutschland promovierte Jude
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 357 (sequence 8)
- Language
- German
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Der erste in Deutschland promovierte Jude 357 halten, von ־wo sie erst 1734 ,,wegen Menagierung unnötiger Kosten“ in das große Universitätsauditorium verlegt worden sind1. Nach seiner Rückkehr in die böhmische Heimat übte Moses Gumpertz zunächst als ,,Adjunkt“ seines Vaters bis zu dessen Tode die ärztliche Tätigkeit in der Prager Judenstadt aus, im Jahre 1731 wurde ihm vom Kaiser ,,das ledig stehende Physikat bei der Prager Judenschaft allergnädigst konferirt“2. Am 24. April 1741 erscheint er als Vertreter des ärztlichen Standes bei dem Festzuge, den die Prager Judenschaft anläßlich der Geburt des Kronprinzen, des späteren Kaisers Josephs IX., veranstaltete, mit seinem Doktordiplom3. Es folgten aufeinander ,,die fremden Lehrer, unterschieden durch besondere Barette mit dem Buchstaben P; hinter ihnen eine lustige Rotte zu Fuß, freudig in die Welt hineinguckend. An diese schloß sich der Judendoktor Moses Salomon Gumpert, dem ein Läufer und zwei als alte langbärtige Türken verkleidete Männer gravitätisch voranschritten; bei ihm befand sich sein Sohn, der das Testimonium facultatis medicae des Vaters zur Schau trug. Neben dem Doktor ging der Apothekerssohn mit der jüdischen Apothekerbüchse, und alle Nationalbader folgten“4. Ein Jahr nach jener Feier, am 11. Mai 1742, starb Moses Salomon Gumpertz, Med. D01\, wie er auf Urkunden seinen Namen 1 Reskript vom 16. April 1734, Abschrift im Geh. Staatsarchiv Berlin, Rep. 51 Kr. 91, Vol. III, Bl. 81. 2 Vgl. Bericht der Prager Statthalterei vom 5. November 1731, Archiv des Ministeriums des Innern, Prag, Alte Manipulation J 4/45, Bl. 18 f. 3 Eine photographische Wiedergabe des sehr seltenen Kupferstichs mit der Darstellung dieses Pestzuges wird meinem Buche ״Die Prager Universität und die Juden“ beigefügt werden. 4 Kauf mannTreudenthal, S. 378 und Anm. 3. — Schon früher hatte Moses Salomon Gumpertz als Adept der Heilkunde zugleich mit seinem Vetter den ärztlichen Stand in der Prager Judenschaft feierlich vertreten. Es war im Pestzug des 18. Mai 1716, den die Prager Judengemeinde zur Feier der Geburt des am 13. April geborenen, am 4. Kovember 1716 aber bereits verstorbenen Kronprinzen Leopold Johann Joseph als Huldigung für Kaiser Karl VI. veranstaltete. Darüber S c h u d t, Jüdische Merkwürdigkeiten IV, 3. Kontinuation, S. 114 (Abbildung), 153, 171; K a u f m a n n ־ P r e u d e n t h a 1, S. 376 f.; Kisch, Die Prager Universität und die Juden.