Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1934-01-01 · Heft 3 · p. Seite 354

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
78 (1934)
Issue
Heft 3
Article
Der erste in Deutschland promovierte Jude
Date
1934-01-01
Page
Seite 354 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2829132-2829999-2830003-2838884--52797-2838950
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

354 Guido Kisch Noch 1771 bezeichnete sie Gerhard van Swieten, der bekannte Leibarzt Maria Theresias und Reorganisator des österreichischen Medizinalwesens, in einem: Bericht an die Kaiserin als eine ,,ganz unwürdige und höchst überflüssige“ Handlung der Prager medizinischen Fakultät, aus der sich für die Zulassung von Juden zu medizinischen :Prüfungen in Wien keinerlei Folgerungen er־ geben dürften1. Freilich das Doktorat; konnte Gumpertz damals an der Prager Universität noch nicht erlangen. Denn sie war eine Anstalt von streng katholischem Charakter, die dem Erzbischof als Universitätskanzler unterstand und sämtliche Akatholiken von Studium und akademischen Graden und Würden unbedingt ausschloß. Gumpertz׳ ist daher zu der Funktion des Adjunkten beim jüdischen ־ Gemeindephysikus nur tauglich erklärt worden, ,,sofern er den Gradum Doctoratus medici auf einer solchen Universität, wo ,dergleichen Religions Leute promovieret zu werden pflegen, erhalten möchte“. Zu dem Zweck mußte er sich nach Frankfurt an der Oder wenden. Am 22. Juli 1721 erfolgte dort seine Eintragung in , die Matrikel der Mediziner2, nachdem er vom König die Erlaubnis und einen Schutzbrief erhalten hatte3, wie solche schon vorher .anderen jüdischen Studenten, so dem Gabriel Felix Moschides und Tobias Koben aus Polen4, ferner dem Salomon Liebmann aus Berlin5 ausgestellt worden waren;. 1 Veröffentlicht bei Gerson Wolf, Studien zur Jubelfeier der Wiener Universität im Jahre 1865, Wien 1865, S. 86; und bei Wolf, Zar Geschichte jüdischer Ärzte in Österreich, M'GWJ. 13 (1864), S. 195: ״. . . Mais la faculte a encore ä Prague fait une chose plus indigne, ils ont tres superficielement examin& un; juif et pourtant donn6 une, nttestation a cet homme, qu’il a soutenu l’examen. — Jamais un juif s’est presente a P examen ä Vienne, et on le refusera toujours pour les raisons assignees“. 2 Kauf mann-Freudenthal, S. 286, Anm. 1; L. Lewin, Jahrbuch der jüd. lit. Ges. Frankfurt a. M. 15 (1923), S. 63 und Anm. 1; 16 (1924), S. 85 zu 1721, der Gumpertz aber nicht genauer zu bestimmen weiß. 3 Er ist Lewin unbekannt geblieben; der volle Wortlaut folgt im Anhang Nr. 2 nach dem Konzept im Geh. Staatsarchiv Berlin, Rep. 51, Nr. 91 j Vol. II, Bl. 106. 4 Darüber L e wi n , a. a. 0., 14 (1921), S. 230 ff. 5 Lewin, a. a. 0., 14 (1921), S. 235, unbekannt geblieben, siehe die nächstfolgende Anmerkung.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.