Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Eine jüdisch-persische "Toldoth Jeschu"-Handschrift
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 349 (sequence 7)
- Language
- German
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Eine jüdisch-persische ״Toldoth Jeschu“-Handschrift 349 Aufmachung erklärt werden könnte1. Es ist auch kaum anzunehmen, daß, andererseits, das Auftreten von Bab und seine Proklamation als Prophet im Jahre 1844 zu einer Flucht in die Polemik jüdischerseits geführt hätte. Obwohl viele Juden im Laufe der Zeit in den Bann der von christologischen Elementen stark durchsetzten Bab-Bewegung2 gezogen wurden — eine so schnelle literarische Reaktion von Seiten der persischen Juden ist fast ausgeschlossen3. Aus all dem glauben wir feststellen zu sollen, daß die Existenz einer j. p. Toldoth Jeschu-Version gar nicht irgend einem zeitbedingten Ereignis zuzuschreiben ist; die Einführung von T. J. in die j. p. Literatur scheint vielmehr einer polemikfreien Be- Ziehung zum Stoff als solchem entsprungen zu sein, eben nur ״der Lust zum Fabulieren/' T. J. ist ja nicht nur Streit- und Tendenzschrift, sondern auch eine Wunderschrift. Und als eine solche Wunderschrift muß sie gerade den persischen Juden angesprochen haben. Für eine solche Qualität des Stoffes mit all dem Wundersamen, Phantastischen, Bunten und Wirren hatte der im Sohar, in praktischer Kabbala und im Aberglauben aufgezogene persische Jude stets eine besondere Vorliebe. Viele Erzählungen und Geschichten verdanken ihre Übersetzung, ihre Einführung in die jüdisch-persische Literatur und ihre Verbreitung eben diesen Momenten, die dem Charakter und der Veranlagung der persischen Juden bis heute so entsprechen. So wurden Erzählungen des europäischen, arabischen und indischen Kulturkreises ins J. p. übersetzt4. Es sei an die 1 Es sei bemerkt, daß das Neue Testament erst im Jahre 1811 durch Henry Martyn ins Neupersische übersetzt wurde und daß erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Londoner Missionsgesellschaft eine persische Ausgabe des Neuen Testaments in hebräischer Transkription veranstaltete. a Über den Babismus und Behaismus vgl. die Werke von Gobineau, E. G. Browne, Goldziher u. a. Der Babismus bezog sich mit Vorliebe auf die Leidensgeschichte Jesu. 3 Vgl. W. Eischel; Die Behaibewegung und ihr Einfluß auf die persische Judenheit. Frankfurter Israel. Gemeindeblatt, Nov. 1932, und The Jewish Review, London 1933/1934. Nr. 7. 4 Siehe W. Bacher. Z. f. Hebr. Bibliographie Bd. XIV 1910 S. 12/20 S. 45/51; Bd. XVI. 1912 S. 28/32 und W. Fischei (die oben S. 344 Anm. 5 .angeführten Arbeiten).