Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Eine jüdisch-persische "Toldoth Jeschu"-Handschrift
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 348 (sequence 6)
- Language
- German
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348 Walter Fischei aus den! Jahre 1844 und Adler1 und nach ihm Bischof2 weisen auch das Fragment P. dem 19. Jahrhundert zu. Auch spricht der Fundort, Buchara, sehr für die mögliche Beziehung zu unserem Übersetzer, der ja ein persischer Jude gewesen, sein muß. 3. Es gilt aber auch, unser Toldoth Jeschu-Manuskript vom Standpunkte der jüdisch-persischen Literaturgeschichte zu würdigen. Und da erhebt sich die wohl begründete Frage: Was soll denn eine Toldoth Jeschu- Version in Persien, inmitten einer fast 98% mohammedanischen Bevölkerung? Sollte man nicht vielmehr ein ״Toldoth Mohammed“ — wenn es ein solches Werk gäbe — in Jüdisch-persisch erwarten? Welche Absicht mag wohl der persische Übersetzer von T. J. mit seinem Werk verbunden haben? Wenn die Ansicht richtig ist, daß T. J. nur auf Christliehern Boden und in christlicher Umgebung entstanden sein kann3, und wenn wir annehmen dürfen, daß auch eine Verbreitung der T. J. und ein Bedürfnis nach seiner Lektüre im allgemeinen wohl nur einer akuten Gefahr, einer meist durch christliche Verfolgungen und Bedrückungen bewirkten jüdischen Abwehrtendenz entsprungen sein kann, dann müßten also ähnliche, historisch feststellbare, Gründe auch Anlaß zur Abfassung eines T. J. für die Juden Persiens gewesen sein. Nun ist aber durchaus nicht bekannt, daß in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts — unser Manuskript stammt aus den! Jahre 1844 — die persischen Juden Grund gehabt hätten, auf christliche Verfolgungen in Persien in diesem Sinne zu reagieren. Sie hatten allerdings nicht nur unter dem Fanatismus des sehiitisehen Klerus, sondern da, wo es christliche Minoritäten gab (Armenier, Nestorianer etc.),- auch unter Bedrückungen durch das christliche Bevölkerungselement stark zu leiden. Aber das konnte keinesfalls die Atmosphäre schaffen, aus der heraus allein eine polemische Schrift wie ״Toldoth Jeschu“ in jüdisch-persischer 1 Jn seinem Katalog, Ginse Paras S. 14. 2 a, a. O. S. 31. 3 B. Heller, MGWJ 1933 S. 207.