Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Beiträge zur vergleichenden Sagen- und Märchenkunde
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 342 (sequence 19)
- Language
- German
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342 M. Gaster und B. Heller zu heilen. In einer Fassung will Math ja nicht geheilt werden; da versichert ihn Gott, er sei fortan gegen Anfechtung gefeit. Auch Abu Muhammad Dscha’far al־Qäri ibn as־Sarrädsch (XI. Jhdt.) erzählt diese Geschichte von einem israelitischen Gottesdiener (Paret, Friiharab. Liebesgeschichten, Bern 1927 S. 68 No. 178). Trotzdem scheint dieses Motiv nicht dem Judentum zu entstammen. Die ältere Aggada kennt es nicht1. In der Reihe derer, die ihre Sinnlichkeit niederringen wie R. Meir, R. Zadok, Chanina bar Pape, R. Amram, wird Mathja nie genannt. Der Zug im Zusatz-Tanchuma (Tanch. Bub. IV. 66 a), Mathja habe nicht nur fremde Frauen, sondern selbst sein Weib niemals angesehen, entspricht eher christlich oder buddhistisch mönchischer Vorstellung als jüdischer Denkweise. Dieser Legendentypus dürfte auf dem Boden des Christentums entstanden sein, zur Veranschaulichung und Verwirklichung des evangelischen Gebotes: Wenn dich dein Auge straucheln läßt, reiß es aus und wirf es weg (Math. 5,29, Mark. 9,47). In der Kirche ist besonders folgende Fassung weit verbreitet: Ein mächtiger Herr bestürmt eine Klosterjungfrau mit seiner Liebe. Da sie widersteht, schickt er seine Mannen, um sie mit Gewalt zu entführen. Die arme Nonne fragt, warum der Gewaltige eben ihr nachstellt. ״Wegen deiner schönen Augen“. Da reißt sie sich die Augen aus und schickt sie dem Verfolger, nach einer Fassung, in einer Büchse. Als der Liebhaber die Büchse öffnet, wird er von Reue erfaßt, von Leidenschaft gereinigt und auf sein Gebet wird die Tugendhafte geheilt (Pauli, Schimpf und Ernst Nr. 11). Verwandt damit die andere Legende von den Nonnen, die sich die Nasen abschneiden und derart um den Preis ihrer Schönheit ihre Reinheit wahren (Pauli 12). Eine arabische Abart erzählt von einem Jüngling, der ein Mädchen liebt und über ihre schönen Augen Gott vernachlässigt. Das Mädchen reißt sich die Augen aus, damit sich ihr Liebhaber Gott widme (R. Basset, 1001 Contes III. 543). Eine reichere Legende verknüpft dieses Motiv mit einem anderen evangelischen. Ein islamischer Herrscher verspottet die 1 Verwandt: Philon spec. leg. III 174 ff.; Heine mann, Philons Bildung 272. I. II.