Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Beiträge zur vergleichenden Sagen- und Märchenkunde
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 340 (sequence 17)
- Language
- German
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340 M. Gaster und B. Heller Gebiet der Vorstellung vom Paradiesesgefährten, (worüber Heller REJ 1908 LVI, 198—221, Gaster Exempla 413). Mehr noch als islamische waren kirchliche Legenden heranzuziehen. Vom Heiligen Martinianus erzählt Metaphrastes (X. Jhdt.), daß der Teufel ihn durch die schöne Zoe lockt. Nahe daran, der Versuchung zu erliegen, zündet er ein mächtiges Feuer an, stellt sich in die Flamme, erholt sich und dringt wieder in die Glut. Da schleudert auch Zoe ihre Prunkgewänder ins Feuer. Sie ist bekehrt (Acta Sanctorum, Bolland, 13 Febr. II. 667—669). Vom heiligen Jacobus dem Eremiten in Palästina erzählt Metaphrastes, die Samaritaner wollten ihn zu Fall bringen durch ein von ihnen bezahltes Weib, welches ihn in stürmischer Nacht um Obdach anfleht. Jacobus, ein Mucius Scaevola der Legende, hält vor der Verführerin seine Hand zwei bis drei Stunden lang im Feuer, bis ihm die verkohlten Glieder der Finger herabfallen (Acta Sanct. 28. Januar, II. 868—873). Eine altfranzösische Legende läßt ihren heiligen Einsiedler seine Hand in eine brennende Laterne stecken und sich vier Finger verbrennen (De Larmite que la femme voulait tenter, bei Adalbert Keller, Zwei Fabliaux aus einer Neuenburger Handschrift Stuttgart 1840 P. 7—23 — Umgestaltung in Prosa bei Langlois, Nouvelles francaises inedites du quinzieme siede, Paris 1908, Chap. XXIV. P. 97, 98). Eine arabische Legende erzählt von Dschurajdsch (Georg), daß er vor dem verführerischen Weib seinen Finger ins Feuer steckt, bis seine sinnliche Gier vom Schmerze bewältigt wird (Clement Huart, Le livre de la creation etc. Paris 1903, III 135, französische Übersetzung S. 139 f.). In einer arabischen Legende ist es ein frommes Mädchen, eine vergewaltigte Klausnerin, die sich, um nicht an Wollust und Sünde teilzunehmen, ihn Hand im Räucherbecken verbrennt (Rudi Paret a. a. O. 70). Bei Qaljübi verbrennt sich ein israelitischer Einsiedler vor der Verführerin einen Finger nach dem andern (Basset, 1001 Contes III, 482—484). Daraus, daß dieses Motiv an den Heiligen Georg anknüpft, verrät die islamische Legende die christliche Ein- Wirkung. (Näheres bei B. Heller: Die Legende von den drei Sünden des Einsiedlers und vom Mönch Barsisa, Ungarische Rundschau, I, 653—673.) Die Kirchenlegende wiederum berührt sich mit der Aggada von R. Amram, der Feuer! schreit, von R. Zadok,