Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Beiträge zur vergleichenden Sagen- und Märchenkunde
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 339 (sequence 16)
- Language
- German
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Beiträge zur vergleichenden Sagen- und Märchenkunde 339 4861)• Noch bemerkenswerter eine andere Fassung. Hier ist es eine Königstochter, die den Korbflechter zur Liebe zwingen will. Als er sich weigert, droht sie ihm, daß sie ihm beim König verklage. Nun bittet der arme Jüngling um Wasser zu der ritueilen Abwaschung. Die Prinzessin argwöhnt dahinter eine Aus־ flucht und gebietet ihrer Zofe ihn an einen Ort zu führen, wo er nicht entfliehen könne. Sie führt ihn in einen 40 Ellen hohen Turm. Er stürzt sich hinab. Ein gottgesandter Engel fängt ihn auf. Errettet betet er, Gott möge ihm sein täglich Brot gewähren, damit er nicht Körbe verkaufen müsse. Gott schickt ihm goldene Heuschrecken. Doch wie er erfährt, daß er mit diesem Gold den 25. Teil seines Lohnes für seine Standhaftigkeit hin hat, verzichtet er auf das Gold (Basset, III, 478 R. Paret 71). Auch in dem letzten Motiv, daß der fromme Korbflechter dem Gold entsagt, um seinen Anteil am Jenseits nicht zu kürzen, erkennen wir ein aggadisches Element. Chanina b. Dösa leidet Not. Auf Drängen seiner Frau bittet er Gott um Unterhalt. Eine überirdische Hand reicht ihm einen goldenen Tischfuß. Doch als er im Traume sieht, daß die übrigen Frommen auf Tischen mit 3 Füßen speisen, er aber auf einem Tisch mit zwei Füßen, betet er, daß er von dieser Gabe befreit werde. Der goldene Fuß wird zurückgenommen, י— ein umso größeres Wunder, als Gott sonst nur gibt, nicht aber zurücknimmt (Taanith 25 a, Perles, 51—55). In all diesen Fällen hat die arabische Dichtung bei der Aggada Anleihen gemacht. Schwerer zu entscheiden ist die Frage, wer der Geber, wer der Empfänger in der Variante der Nathan de Zuzita-Erzählung bei R. Nissim. Nathan liebt die schöne Hanna, deren Mann schuldenhalber im Gefängnis schmachtet. Auf das Drängen ihres Mannes begibt sich Hanna zu Nathan und fleht um ein Darlehen, um ihren Mann auszulösen. Nathan fordert für das Geld ihre Liebe. Sie redet ihm ins Gewissen, so daß er seine Leidenschaft bezwingt und Hannas Mann befreit. Zum Lohne ziert ein Strahlenkranz sein Haupt (R. Nissim, Chibbur Jafe ed. Amsterdam 29 b). — Eine arabische Erzählung weiß von einem Fleischer, der seine Leidenschaft zu einer um Nahrung Flehenden ähnlich beherrscht. Dafür wird ihm ein vornehme! Platz im Paradies gewährt. Diese Erzählung gehört schon ins 22*