Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Beiträge zur vergleichenden Sagen- und Märchenkunde
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 336 (sequence 13)
- Language
- German
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336 M. Gaster und B. Heller Ich habe noch nie eine schönere Frau als dich gesehen. Wir aber haben ein Gebot, welches uns Schaufäden zu tragen befiehlt und dicht dabei heißt es zweimal: ״Ich bin der Ewige euer Gott, d. h.: ein Mal um anzuzeigen, daß er jede böse Tat bestrafe und das zweite Mal, daß er jede gute Tat belohne. In dem Augenblicke nun erschienen mir die vier Schaufäden wie vier Zeugen einer strafbaren Tat/' Als dieses das Mädchen hörte, fragte sie ihn nach seinem Namen, seiner Vaterstadt, nach dem Lehrhause, in dem er dem Studium obliege? Er schrieb es ihr auf und kehrte in seine Heimat zurück. Das Mädchen verteilte darauf ihr Vermögen in drei Teile, gab den einen dem Staate, den zweiten den Armen und den dritten nahm sie mit sich und gelangte nach Palästina zum Lehrhause des R. Chi ja. Sie wandte sich nun an diesen mit der Bitte, sie in das Judentum aufzunehmen. Als er sie fragte, ob sie das nicht aus Liebe zu einem seiner Schüler täte, zog sie die Schrift, die ihr der junge Mann gegeben hatte, hervor und zeigte sie ihm. Da sagte er zu ihr: ״Gehe und ergreife Besitz von deiner Errungenschaft, denn das, was dir früher verboten war, .ist dir nun erlaubt/' Dieselbe Erzählung ist öfter mit kleinen Änderungen wiederholt: Sifre ed. Friedmann fol. 35b. § 115. Maase Nissim ed. Amstrd. fol. 10b ff. Jalkut I, 229 c. § 750. * Wesentlich abweichend davon ist die Parallele in Eiiah sutta c. 22 g. Ende. Hier ist es nicht der Mann, der sich beherrscht und seine Leidenschaft bezwingt, sondern die Frau. Es heißt nämlich: ״Ein. Jünger des R. Akiba lehrte 30 000 Schüler. Eines Tages geriet er in die Gasse der Buhldirnen und sah dort ein schönes ■Mädchen, in die er sich verliebte. Da schickte er einen Boten zu ihr, und am Abende wollte er selbst kommen. Bevor es dunkelte, stieg das Mädchen auf das Dach des Hauses und blickte nach dem ־Orte, wo der Jünger an der Spitze seiner zahlreichen Schüler saß und lehrte. Zu ihrer nicht geringen Uberraschung sah sie ihm zur Rechten den Engel Gabriel. Darob von Ehrfurcht ergriffen, rief sie aus: ״Wehe den Weibern, von denen alle Höllenqualen ausgehen, und nun soll noch ein Weib einen solch engelgleichen Menschen mißbrauchen! Nach dem Todei würde sie gewiß den Höllenstrafen nicht entgehen, im Gegenteil aber :konnte sie jetzt, wenn! sie ihm nicht willfahren würde,