Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Beiträge zur vergleichenden Sagen- und Märchenkunde
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 334 (sequence 11)
- Language
- German
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334 M. Gaster und B. Heller Wasser gleichwie vom glühenden Eisen verbrannt (Wesselsky nach Caesarius von Heisterbach 10, 35, 36). Ähnliches erzählt Paulis Schimpf und Ernst (Num. 227 ed Bolte, I. 146, II. 315) von einem ehebrecherischen Weibe. — Jacques de Vitry Nr. 247 berichtet von einem Jüngling, der im Stande der Unschuld in der Schmiede das glühende Eisen in die Hand nehmend unver־ sehrt bleibt, dagegen nachdem er gesündigt, sich die Hand wund־ brennt (Wesselsky Mönchslatein Nr. CXLIV). Daß sinnlicher Verführung widerstehende Keuschheit mit der Kraft belohnt wird, Feuer unbeschädigt anzufassen, erzählt auch 1001 Nacht in der Geschichte von dem Schmied, der das Feuer anfassen konnte (Chauvin, Bibliographie VI. 188; 189, E. Litt־ mann 1001 Nacht III. 758), wofür Perles zur rabbinischen Sprach־ und Sagenkunde 1873, S. 85—91, das Vorbild in נתן דצוציחא Schabbath 56 b findet, wonach Perles auch die Worte deutet וקא פשיט ידיר, וקבליה er streckt seine Hände (nach dem Feuer) aus. und nimmt sie (unversehrt) zurück. Nachweise zu den hier von Gaster beleuchteten Stoffen hat eben Gaster selbst reichlich zusammengestellt in seinen Exempla of the Rabbis, zu ,,Weib und Räuber“ Nr. 401; zum Märchen, daß der Mann treuer ist als das Weib Nr. 328; zur Ehebrecherin, die sich bei der Wasserprobe durch ihre unschuldige Schwester vertreten läßt, Nr. 385. [Nachtrag: A. H. Krappe findet hiei in der ersten Erzählung die Quelle des altfranzösischen Romanes ,,La fille du comte de Pontien“, Zeitschr. f. Roman. Philol. 1929,, S. 544—549 mit zahlreichen Literaturangaben. M. G.] 6. Der Sc h ül e rund das Mäd che n. Einen vollständigen Gegensatz zu diesen Erzählungen bildet diejenige, die Liebrecht, Zur Volkskunde S. 43 ff. aus Gualterus Mapes unter dem Titel: ,,de Rollone et ejus uxore!“ mitteilt. ״Resus, ein vornehmer Jüngling, liebt die Gemahlin eines angesehenen Ritters, namens Rollo, und wird von ihr längere Zeit zurückgewiesen, zuletzt aber zu einer Zusammenkunft ein־ geladen. Er kommt und erfährt im Schlafzimmer, daß die hohen Lobsprüche, die Rollo . . . über ihn geäußert, sie veranlaßt haben, ihm endlich.ihre Gunst zu schenken. Schon hat sie‘ das Bett bestiegen und zieht ihren Geliebten zu sich, da ermannt dieser