Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Beiträge zur vergleichenden Sagen- und Märchenkunde
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 333 (sequence 10)
- Language
- German
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Beiträge zur vergleichenden Sagen- und Märchenkunde 333 Bei aller Übereinstimmung der — unjüdischen — Grundgesinnung und mancher Einzelmotive ist die Quelle weder für den ,,Räuber und das Mädchen" noch für das andere Märchen ״Mann treuer als Weib" nachgewiesen. Auch nicht für das Sota- Märchen: Eine Ehebrecherin sollte die Wasserprobe bestehen, wie sie die Tora (Num. 5) vorschreibt. Sie schickt anstatt ihrer ihre Schwester, die ihr ganz ähnlich sieht. Diese unschuldige Schwester besteht die Söta-Probe glücklich, doch ein Tropfen von dem Fluchwasser bleibt an ihren Lippen hängen. Wie sich nun die beiden Schwestern küssen, berührt die Schuldige, die Ehebrecherin den Tropfen Fluchwassers, wird von ihm getötet. Diese Erzählung findet sich weder im Talmud Sota, noch im alten Midrasch, sondern erst im späten Tanchuma 6 § נשא und im noch späteren Bamidbar rabba IX, 9 ed. Wilna 26 b. Hier dürfte ebenfalls fremdes Vorbild mitgewirkt haben. Es wird nämlich versucht, das Gottesurteil durch Stell- Vertretung zu vereiteln. Max Landau (Quellen des Dekamerone 1884 2 128—131) führt dazu treffende Analogien an. Im Amicus und Amelius pflegt Amelius sträfliche Liebe mit der Königstochter. Harderich verrät dem König die heimlich Liebenden. Amelius soll sich im Zweikampf mit dem Ankläger Harderich von dieser Anklage rein waschen. An seiner statt stellt sich sein Freund Amicus zum Zweikampf, und da er mit Recht beschwören kann, er habe sich der Königstochter nie genaht, besteht er das Gottesurteil und tötet Harderich (S. auch Alb. Wesselsky Mönchslatein, Leipzig, 1909 No. CXIX). Hier wird also das Gottesurteil eigentlich irregeführt, wie zum Beispiel in Tristan und Isolde. Im Spätmidrasch entgeht die schuldige Ehebrecherin keineswegs der Strafe. Auch dafür bietet die kirchliehe Exempeldichtung Entsprechendes. Bernhard v. Lippe, Bischof in Liveland erzählte von einem Fischer in Utrecht, er habe Unzucht getrieben, und als er vor ein Gottesurteil gestellt werden soll, gebeichtet und Absolution erhalten. Infolgedessen trug er das glühende Eisen der Feuerprobe, ohne geringsten Schaden zu erleiden. Doch er faßt den Vorsatz, weiter zu sündigen. Als er mit diesem sündigen Gedanken Wasser aus dem Fluß schöpft und zu einem anderen Fischer sagt: ,,Schau, soviel Lat mir das Feuer geschadet", da wird seine Hand vom kalten