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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1934-01-01 · Heft 3 · p. Seite 332

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
78 (1934)
Issue
Heft 3
Article
Beiträge zur vergleichenden Sagen- und Märchenkunde
Date
1934-01-01
Page
Seite 332 (sequence 9)
Language
German
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332 M. Gaster und B. Heller Der Buddhismus ist in seinem Wesen frauenfeindlich eingestellt. Das Weib ist dem buddhistischen Monachismus Ursache alles Unheils. Die sieben weisen Meister (Mischle Sendabar) gelten ja zum Teil als Buch der Frauenlist. Ein König von Indien spendet in seinem letzten Willen die Lehre: Mißtrauet den Weibern (Chauvin, Bibliographie VIII. 156). Für die einzelnen Motive der Geschichte vom Weib mit dem Räuber bietet die indische Vorstellung mehrfach Entsprechendes. Ein Märchen, das bereits 251 aus dem Sanskrit ins Chinesische übersetzt wurde, erzählt: Ein junger Mann formt sich aus Gold die Gestalt eines Mädchens und nimmt sich vor* nur eine solche zu heiraten; zur selben Zeit gestaltet in einem anderen Königreich ein Mädchen das Bild eines jungen Mannes, gleichfalls mit dem Entschluß, einen solchen zu heiraten. Sie heiraten auch einander und trotzdem bricht die junge Frau alsbald dem Manne ihrer Wahl die Treue (Chavannes, in Actes du XIV. Congres intern, des Orient. 1905 X. section- 127 ff. No. XI X., Cosquin, Etudes folkloriques 1922, 272.). Hier überzeugt sich der Mann von dieser Untreue, wie er von unterwegs um seine Bücher nach Hause eilt. In unserem sog. Salomonischen Märchen kommt der junge Mann um seine Ehegemahlin, wie er von Tiberias nach Bethar reist, um sich der Lehre zu widmen. Im Ozean der Märchenströme (Kathä Sarit Sägara) sind es zwei Brüder auf der Reise, um die heiligen Bücher zu studieren, die auf einem Baume Zeugen der Arglist, Tücke und Untreue eines Weibes werden. Auf einem Baume! Auch in König Salomos Masehal muß der verletzte Ehemann an einen Baum gebunden das sündige Treiben seines treulosen Weibes mitanschauen. Im Rahmenmärchen von 1001 Nacht und in dessen Wandlungen ist dies die gewohnte Lage. Von einem Baume betrachtet der König von Persien und der König von Indien, wie das aufs Äußerste gehütete Weib des Tfrits (Dämons) ihrem Gatten die schändlichsten Streiche spielt (Cosquin 267, 268). Auf einem Baum lassen sich 3 Asketen nieder und beobachten, wie die Frau des Schlangenkönigs sich ihrem hundertsten Liebhaber hingibt. Der Schlangenkönig tötet sie (Cosquin, 278). Darauf möchte ich keinen Nachdruck legen, daß in Salomos Masehal der Ehebrecher vom Gift einer Schlange den Tod erleidet.

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