Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Beiträge zur vergleichenden Sagen- und Märchenkunde
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 331 (sequence 8)
- Language
- German
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Beiträge zur vergleichenden Sagen- und Märchenkunde 381 König David ein Rohr und eine Glocke geschenkt hat. Der Engel, der sie ihm überbrachte, sagte zu ihm: ,,Spanne dieses Rohr in deinen Gerichtssaal auf und hänge die Glocke in die Mitte desselben, stelle den Kläger auf die eine Seite und den Angeklagten auf die andere Seite des Rohres und sprich dein Urteil stets zu Gunsten desjenigen, der bei der Berührung des Rohres die Glocke tönen macht/‘ Einem ähnlichen Schwur sind wir schon oben (MGWJ 1882 42 ff. wieder abgedruckt in Gasters Studies and Textes 1928 II, 1228ff.) begegnet. Der Eine hat das Gold in einen ausgehöhlten Stab gesteckt und gibt ihn, wenn er die Rückgabe beschwören soll, dem Kläger in die Hand. Ein wesentlicher Zug, wodurch sich unsere Erzählung, von der wir ausgegangen, von allen Parallelen unterscheidet, ist die Art und Weise wie die Keuschheitsprobe umgangen wird. Sie geschieht dort durch die Substitution einer täuschend ähnlichen Schwester. Solchen Substitutionen begegnen wir nun in einer Reihe anderer Erzählungen, die von der WäTberlist sprechen. Wir begnügen uns auf die zahlreichen Nach Weisungen bei Benfey. Pantschat I, 140—147 zu verweisen. Vgl. Dunlop- Liebrecht s. 242. v. d. Hagen: Gesamtabnt. II, XLVII ff. Tuti- Nameh: Wickerhauser 212 etc. Ergänzungen: Die Vermutung, daß die zweite Erzählung der Meschalifn des Köiiigs Salomo, in welcher das unbeständige Weib sich dem ersten Räuber in die Arme wirft, nicht im Judentum wurzelt, sondern wesensfremden, vermutlich indischen Einfluß verrät, wird bestätigt, ob wir nun die Grundgesinnung, ob wir die einzelnen Motive ins Auge fassen1 *. Die;Verachtung für die Frauen spiegelt sich auch im spätmittelalterlichen bürgerlichen Schwank (S. bei Bedier, Les Fabliaux, das Capitel Fabliaux : o,ü se marque le mepris des femmes. 19253,. 319—326), doch das christliche Mittelt* alter kommt für unsere Meschalim als Quelle kaum in Betracht. Viel eher —־ durch arabische Vermittelung — das.indische Märchen. 1 Wohl scheint schon der Talmud die Geschichte von der. treulosen Matrone von Ephesus zu kennen (s. R. Chananel, Tossäfot Kidduschin 80 b), doch gewiß als folkloristischen Erzählungsstoff.