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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1934-01-01 · Heft 3 · p. Seite 330

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
78 (1934)
Issue
Heft 3
Article
Beiträge zur vergleichenden Sagen- und Märchenkunde
Date
1934-01-01
Page
Seite 330 (sequence 7)
Language
German
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330 M. Graster und B. Heller p. 245:—253, No. 4. Hierher gehört auch die ,,Bocca della Verita“ des Zauberers Virgil, s. v. Hagen Gesamtabent. II, XXXI f. Dieselbe Erzählung im Straparola N. IVFav. 2. Timoneda No. 4. s. Dunlop-Liebrecht Anmkg. 383. vgl. Pauli, Schimpf u. Ernst ed״ Oesterley c. 206 s. p. 496. s. auch die vielfachen Nachweise bei Bolte II, S. 309. Wir lassen hier eine aus der ganzen Reihe der Erzählungen folgen, da sie auch von anderer Seite her von Interesse ist: ,,Es hatte Virgil in Rom ein Bild von Stein gemacht. Wenn einer falsch geschworen hatte, so biß das Angesicht ihm die Hand ab, wenn er sie ihm ins Maul stieß; hatte er aber recht geschworen, dann schadete ihm nichts. Nun begab es sich, daß ein Kaiser seine Frau im Argwohn hatte, sie scherze mit einem Ritter. Der Kaiser strafte sie oft mit Worten, wenn ihm etwas hinterbracht wurde. Einmal sprach er : ,,Frau, es geht nicht mit rechten Dingen zu! Wollt ihr Euch vor dem Stein des Virgil reinigen und schwören und ihm die Hand ins Maul stoßen, so will ich Euch wieder trauen!“ Die Frau sprach: ״Ja!“ Der Tag ward festgesetzt, da es geschehen sollte, und als er kam, trat der Kaiser mit seiner Ritterschaft vor das Bild. Die Kaiserin war auch auf dem Wege mit ihren Jungfrauen und Frauen, und es liefen fast alle Leute zusammen, die in Rom lebten. Nun begab es sich, daß ein Narr im Narrenkleide kam, zu den Frauen sich hinzudrängte und der Kaiserin und anderen Frauen um den Hals fiel und sie küßte. Die Kaiserin weinte und geberdete sich übel, der Narr aber entwischte. Als die. Kaiserin vor den Stein kam, wo der Kaiser stand, schwur sie also und sprach: ״So wahr als kein Mann meinen Leib berührt hat als allein der Kaiser und der unselige Narr, der mir vor aller Welt da die Schande angetan hat, so. wahr stoße ich, meine Hand da hinein“ — und hielt sie lange drinnen. Da hatte der Kaiser eine fromme Frau, denn sie hatte recht geschworen: der Narr war eben derselbe Ritter im Narrenkleide gewesen.“ (Pauli.) Die Folge dieses zweideutigen Schwures war, daß die ,,Bocca della Verita“ ihre Kraft verloren hat. S, die deutschen Mirabilli urbis Romae: Mässmann: Kaiserchronik■III; 449. Comparetti, Virgilio nel mediaevo Livorno 1872 II, 119—123. Darin stimmt die arabische Sage (Weil, Bibi. Legenden S. 213 ff.) mit dieser occidentalen überein. Es wird nämlich erzählt, daß Gott dem

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