Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Beiträge zur vergleichenden Sagen- und Märchenkunde
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 329 (sequence 6)
- Language
- German
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Beiträge zur vergleichenden Sagen- und Märchenkunde 329 Trotzdem ist es mir aber bis jetzt noch nicht gelungen, die genau entsprechende Quelle in einer anderen Literatur aufzufinden; doch fand ich eine russische. Parallele bei Rambaud: La Russie epique. Desto reichlicher sind dagegen die Parallelen zu der nun folgenden dritten Erzählung, die ich hier in diesen Kreis einfüge; um so eher, als, wie ich gleich anfangs bemerkte, nur sehr wenige Erzählungen in der jüdischen Literatur existieren, die die Treu״ losigkeit oder die List , der Frauen zu ihrem Gegenstände haben. Hier handelt es sich um eine ,,Keuschheitsprobe“. Im Midrasch Dekalog Praec. VII f01. 35 b ff. (Venedig 1605). Es waren einst zwei Schwestern, die einander täuschend ähnlich sahen. Die Eine von ihnen führte ein unzüchtiges Leben. Der Mann hatte Verdacht geschöpft und wollte die Frau zum Priester führen, damit er an ihr die gesetzlich vorgeschriebene ״Keuschheitsprobe‘ ‘ (Num. 5״ ff.) vornehme. Die Frau, die Grund hatte, diese Probe zu fürchten, bat daher ihre Schwester ihren Platz einzunehmen, was jene um so eher tat, als sie im Bewußtsein ihrer Schuldlosigkeit nichts zu befürchten hatte, und ihre Schwester vor Schande bewahrte. Sie ging also mit ihrem Schwager und bestand die Keuschheitsprobe. Als sie zurückkam, umarmte sie die Schwester und küßte sie. Da roch sie den Geruch des Wassers, mit welchem die Probe vorgenommen wurde, und die Wirkung desselben übertrug sich auf sie. So wurde ihre Schande allen offenbar. Die Quelle hierfür findet sich in dem bedeutend älteren Midrasch Tanchuma (Numeri z. Stelle c. 6. s. auch Jalkut II. f. 187 c. § 978). Damit stimmt nun die ganze Reihe Erzählungen: Benfey. Pantschat. I, 455 ff. überein. Der wesentliche Unterschied besteht darin, daß die Frau nicht erst zu einer ihr sehr ähnlichsehenden Schwester ihre Zuflucht nimmt, um der fatalen Probe zu entgehen, sondern sich von dem als toll sich geberdenden Geliebten vor dem ganzen Volke umarmen läßt, und darauf erst schwört, von keinem Anderen als von ihrem Manne und dem Verrückten je berührt worden zu sein. Die arabische Erzählung (Cardonne: Melaiiges I, 39 ff.) hat mit der jüdischen das Wasser als Element der Keuschheitsprobe gemein, wenn es auch in beiden verschieden angewendet wird. Vgl. auch Ardschi-Bordschi ed. Jülg 1868