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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1934-01-01 · Heft 3 · p. Seite 328

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
78 (1934)
Issue
Heft 3
Article
Beiträge zur vergleichenden Sagen- und Märchenkunde
Date
1934-01-01
Page
Seite 328 (sequence 5)
Language
German
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328 M. Gaster und B. Heller sich und gab sein Vorhaben auf. Am anderen Morgen vor den König geführt, erzählte er ihm den Kampf, den er durchgekämpft, und daß er dem Wunsche des Königs nun nicht nachkommen könne. Darauf bemerkte Salomo: ,■Einen Mann unter Tausenden habe ich gefunden/‘ entließ ihn und wartete dreißig Tage. Nach Ablauf derselben ließ er die Frau holen und versprach ihr, sie zu heiraten, wenn sie nur zuvor ihrem Manne den Kopf abschlagen wollte. Die Frau erklärte sich gleich bereit dazu. Salomo, der wohl wußte, daß sie ihr Vorhaben ausführen würde> der aber den Mann von dem drohenden Unglücke retten wollte, gab ihr ein Schwert aus Blei und sagte zu ihr: ,,Dieses Schwert ist sehr scharf, ein einziger Hieb genügt, um einem das Haupt vom Rumpfe zu trennen“. Zu Hause angelangt, hatte sie ein fröhliches Gesicht, küßte den Mann und bewirtete ihn trefflich und gab ihm, der gar keinen Verdacht schöpfte, so viel Wein zu trinken, daß er davon berauscht wurde. Kaum hätte der Wein seine Wirkung getan, als sie schon das Schwert zog und ihm in den Hals hieb. Sie hatte ihm aber dadurch keinen ernstlichen Schaden getan, sondern nur die Haut geritzt. Von dem Schmerze erwachte der Mann aus dem S6hlafe und sah seine Frau mit gezücktem Schwerte vor sich stehen, bereit, ihn zu töten. Erstaunt fragte er sie, wie sie zu dem Schwerte gekommen sei. Anfangs schwieg sie. Als er ihr aber drohte, sie zu töten, wenn sie nicht die volle Wahrheit eingestehen würde; erzählte sie ihm haarklein die ganze Geschichte. Am andern Morgen erschienen sie beide vor dem Throne des Königs Salomo. Auf seine Frage erzählte der Mann den ganzen Hergang und fügte hinzu: ״Wäre nicht das Schwert bloß aus Blei gewesen, dann hätte mich meine Frau gewiß ganz ohne Erbarmen getötet, während ich, als die Versuchung an mich herantrat, mich ihrer erbarmte und ihrer schonte“. Lächelnd wendete sich Salomo zu dem anwesenden Synhedrion und sagte: ״Ich wußte wohl, daß kein Erbarmen in der Brust eines Weibes wohnt, daher habe ich> in Voraussicht, ihr nur ein Schwert aus Blei in die Hand gegeben.“־ Als diese das hörten, bestätigten sie seinen Ausspruch : ״aber ein Weib habe ich unter allen diesen nicht gefunden.“ So weit die jüdische Erzählung* die in dem Zusammenhänge, wie sie dort steht; auch auf einen fremden Ursprung hinweist.

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