Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur jüdischen Weltanschauungslehre [Rezension]
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 323 (sequence 3)
- Language
- German
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Zur jüdischen Weltanschauungslehre 323 Sympathie für . den nationalen Enthusiasmus doch glauben, daß es nicht ratsam ist, die in der Balfour-Declaration enthaltene ,,Gottesoffenbarung“ mit den in den Büchern Jesaja, Esra und Nehemia mitgeteilten Gottesworten bzw. diplomatischen Dokumenten gleichzusetzen. Man dürfte es vorziehen, lieber verschiedene Schichten von ,,Offenbarung“ klar und ausgesprochen von einander zu unterscheiden. — Der Aufsatz über Mendelssohn übersieht, daß gerade in der jüdischen Anschauung dieses Aufklärers doch auch eine starke Tendenz zur Anerkennung des positiv Irrationalen wirkt, wie sie vor allem in der Haltung zum Religionsgesetz zutage tritt. — Starke und verantwortungsfreudige Lebendigkeit verrät die Rede über den Religionsunterrieht. Daß hier die ,,theozentrische“ Aufgabe des Lehrers in den ' Vordergrund gestellt ist, der sich alles unterzuordnen habe, erscheint als beachtliche Mahnung. Daß eigenständig jüdisches Leben darüber nicht zu kurz kommen darf, ist bei diesem energisch nationalgerichteten Manne selbstverständlich. Er deckt'schonungslos die schiefe Stellung jener auf, die mit dem orthodoxen Bekenntnis auf den Lippen den Sabbath entweihen, und hält mit Recht diese theoretische Orthodoxie gefährlicher als den von ihm bekämpften Liberalismus. — Leider bleibt er in dem von ihm angegebenen Mittel zur Ueberwindung schwerer jüdischer Uebelstände im Allerallgemeinsten hängen, nämlich mit seinem Hinweis auf eine allgemeine Synode ״mit der geschriebenen und mündliehen Thora als ihrer unzerstörbaren Verfassung“. Sie soll die Parallele zur zionistischen Weltorganisation sein, der jüdischen Seele die Heilung bringen, die für den Körper durch die nationale Renaissance zu leisten ist. Aber das alles bleibt sehr vage. JulienWeill gibt uns in der Schrift ״L e J u daisme״ (Paris, F. Alcan, 1931, in der Sammlung ״Les Religions“) den Einblick in die Haltung eines führenden französischen Juden. Es ist ein besonderer Typus der Stellungnahme zur jüdischen Idee, der weder mit den herkömmlichen nationalen oder religiösen Richtungen sich deckt, noch den Versuch einer neuen Synthese macht. Er will die anderen, aber wohl auch den eigenen Kreis über das Judentum, die Hauptstationen seiner Geschichte, seine charakteristischen Ideen, seine Formen und Riten, orientieren und damit zugleich ein Gefühl für die weltgeschichtliche Größe dieser ־»21