Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur jüdischen Weltanschauungslehre [Rezension]
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 322 (sequence 2)
- Language
- German
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322 Mas Wiener den Versuch, sich mitten in den Strom des geschichtlichen Werdens hineinzuversetzen. Denn der ״historische“ Jude ist eben zu stark von der Substanz des Lebens, das ihm gegeben, oder besser, dem er hingegeben, erfüllt, als daß er sie je überfliegen oder sich gänzlich aus ihr herausstellen könnte. Das ist weder Orthodoxie noch Orthopraxie, schlägt nicht die Vernunft in Banden und zwingt ihr nicht die gesamte gesetzliche Normierung auf. Aber es ist ein Standpunkt, in dem. das Schwergewicht des von jüdischer Realität gesättigten Lebens nie vergessen werden kann. Wir behaupten nicht, daß die Jugend von heute gewillt ist, sich unter die alte jüdische Bindung zu stellen. Aber nur ein konkretes greifbares Stück Wirklichkeit wird sie überhaupt als Wirklichkeit anerkennen. Der rationale, abstrakte, dogmatische Liberalismus dürfte ihr überhaupt nicht mehr als Realität begründend er« scheinen. So bleibt Montefiores Buch für uns das wertvolle Bekenntnis einer großen Persönlichkeit. Darüber hinaus hat es noch folgende sachliche Bedeutung: Es ist die vollkommene Encyklopädie einer Richtung, der liberalen. Kaum je ist ein Versuch so geglückt wie dieser, der offen und klar die Probleme aufzeigt und dabei gegnerischen Standpunkten mit einer Vornehmheit und Sachlichkeit gerecht wird wie es nur aus der Selbstgewißheit einer tiefen Ueberzeugung heraus geschehen kann. Isidore ׳ Epstein faßt in seinem ״Judaism of Tradition“ (London, Edward Goldstone, Ltd. 1931) eine Sammlung von Reden und Aufsätzen zusammen, der ein Geleit« wort des Chief-Rabbi Hertz das Placet gibt. Dem liberalen Rationalismus Montefiores tritt hier ein orthodoxer entgegen. Denn anders kann man wohl die hier angewandte Methode nicht nennen, mit logischer Schlüssigkeit aus der Annahme eines persönliehen überweltlichen Gottes und seiner Offenbarung die Authentizität alles dessen zu folgern, was im kanonischen und über« lieferten Schrifttum als offenbart gilt. E. hat Recht, daß der Gebrauch des Wortes ״Offenbarung“ innerhalb der freieren religiösen Denkweise oft Verwirrung stiftet. Nur muß man selber in der Anwendung dieses Begriffs präzis sein. Wenn aber E. Kyros mit Lord Balfour vergleicht, die Alijja nach dem Weltkriege mit der Heimkehr nach dem ersten Exil, so möchte man bei aller