Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur jüdischen Weltanschauungslehre [Rezension]
- Date
- 1934-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Zur jüdischen Weltanschauungslehre. Von Max Wiener. Die jüdische Weltanschauung, wie sie von je einem besonderen Standpunkt aus geformt ist, stellt sich in den drei folgenden Büchern dar. Claude G., Montefiores ״Outlines of 1 i b e r a 1 J udais m“ (deutsch von J. Kaufmann, hrsg. von E. Seligmann als ״Umrisse des liberalen Judentums"; Lpzg. Gustav Engel) sind vor allem das Selbstzeugnis einer Persönlichkeit, die ihre ganze Existenz in diesem liberalen Judentum eingesenkt findet und für diese Idee werben will. Das Buch ist mit pädagogischem Ziel geschrieben, zugleich aber, wie bei der Axt dieses hervorragenden Denkers naheliegend, darauf ausgerichtet, zunächst klar zu machen, was gelehrt werden soll. Das liberale Judentum wird mit idealem Menschentum einsgesetzt, also vor allem als der Weg einer human und universal bestimmten Frömmigkeit aufgewiesen. Was hier an eigentlich theologischem Lehrgehalt entgegentritt, kann seine Originalität naturgemäß nur in eigenartigen persönlichen Formulierungen, nicht in einer Neukonzeption der Probleme selber dartun. In diesem Sinne, als das persönliche Bekenntnis eines Mannes, dem das Judentum der letzten zwei Generationen große Leistungen dankt, wirkt es; überzeugend. Ob es freilich die gleiche Wirkung auf die jüdische Jugend in Deutschland haben kann, das ist uns nicht erst durch die letzte Wandlung unseres Schicksals zweifeihaft geworden. Hier hat der dogmatische Weg längst den Zugang zu den Herzen verloren. Es ist auch wesentlich der abstrakte Mensch, den Montefiores Humanismus voraussetzt. Und dieser wird von unseren heutigen Jungen, die nur mehr den Menschen in seinem politischen, sozialen, nationalen oder wie immer besonderten Gemeinschaftsleben kennen, einfach nicht gesehen. Damit hängt auch .Montefiores Stellung dem ״historischen Judentum" gegenüber zu sammen. Mag dieses mit logischer Inkonsequenz die religionswissenschaftliche Forschung freigeben und dabei das religiöse Leben auf die partikular-nationalen Elemente des Religionsgesetzes gründen, was für den Rationalismus M.s so anstößig ist, — wir empfinden diesen Standort mindestens als Monatsschrift, 78. Jahrgang 21