Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Der Kampf um die preußische Judenemanzipation im Jahre 1833
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 302 (sequence 15)
- Language
- German
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302 Fritz Friedlaender Dank der deutschen Juden an Ulmenstein aus, indem er in seiner Zeitschrift ,,Der Jude" (Bd. II, 179) die Sachkenntnis und Gerechtigkeitsliebe des edlen Menschenfreundes rühmte. An gleicher Stelle (Bd., II, 92 u. 116) gedachte er der Abwehrschriften von Jost und Johann Jacoby. An der ersten hebt er die Gründlichkeit und Gediegenheit des Inhalts sowie die gelungene und lebendige Darstellung lobend hervor; der zweiten zollt er Anerkennung, weil sie allenthalben die ganze Wahrheit ohne Umschweife und Rücksichten sage, aber vor allem, weil sie die Wahrheit mit aller Wärme und Kraft des verletzten Rechtsgefühls, der gekränkten Menschenwürde auspreche. Wie jene Männer stand auch er in der moralischen Einheitsfront für Volksrechte und gegen Bedrückung. Auffällig bleibt es daher, daß er in diesem Zusammenhang auf Joel Jacoby nicht eingeht, obwohl derselbe ihm — wie erwähnt — in seiner Schrift gehuldigt hatte. In seinen ״Jüdischen Briefen" (1840—42) hat Rießer über Joel Jacoby rücksichtslos den Stab gebrochen. Dazwischen lag freilich der Abfall jenes schwankenden Charakters. Rießers geradlinige und bürgerlich unkomplizierte Natur hatte kein Verständnis für den Sohn des Zwiespalts. In dem Kampfe zwischen Licht und Finsternis — wie Ulmenstein ihn nannte — blieb es Rießer Vorbehalten, das Schlußwort zu sprechen. In leidenschaftlichen Artikeln seiner Zeitschrift ,,Der Jude" hatte er in den Emanzipationskampf eingegriffen. Jene Artikel wurden ein Jahr später zu den ״Betrachtungen über die Verhältnisse der jüdischen Untertanen der Preußischen Monarchie" vereinigt. Im Vergleich mit den vorangegangenen Flugschriften desselben Verfassers wirkt der Stil der Betrachtungen ein ־wenig eintönig und weitschweifig, aber es ist nicht der schriftstellerische Reiz, sondern die sittliche Kraft der Personlichkeit, die dem Buche ein Gesicht gibt. Aus dem nahezu fünfhundert Seiten starken Werk spricht nicht nur der politische Tagesschriftsteller, sondern der staatsrechtlich gebildete Geschichtsschreiber, der die geschichtliche Einheit des Problems herauszuarbeiten weiß. Sein Grundgedanke besteht darin, daß er den Zusammenhang der Emanzipation mit dem langsam aufkeimenden konstitutionellen Leben unterstreicht. Zunächst setzt er sich gegen Christian Friedrich Koch energisch zur Wehr. Er