Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Der Kampf um die preußische Judenemanzipation im Jahre 1833
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 301 (sequence 14)
- Language
- German
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Der Kampf um die preußische Judenemanzipation im Jahre 1833 301 Verfassung zuwider. Die Meinungen, welche sich der Gleich- Stellung der Juden entgegensetzten, seien stereotype, durch gleichfalls stereotype Gemeinplätze unterstützte Gründe, welche gewöhnlich gebraucht׳■ wurden; um die gute alte Zeit gegen die frechen Anmaßungen der neueren in Schutz zu nehmen. In gleicher Weise habe man den Zunftzwang gegen die Freiheit der Gewerbe sowie die Leibeigenschaft gegen den freien Güterverkehr und die Teilbarkeit der Grundstücke ausgespielt. Nur freie Berufswahl könne den Juden nützen. Emanzipation und die Lösung widernatürlicher Fesseln sei die erste Bedingung jeder Volkserziehung. Dies haben im Gegensatz zu den rückständigen Provinzialständen die gebildeten Mittelstände Deutschlands klar erfaßt. Deshalb sei eine Regierung als sehr schwach und hinfällig zu bezeichnen, die die Juden nicht gegen die Anfeindungen des Straßengesindels schütze. Der Freiherr von Ulmenstein erweist sich als Seher in ferne politische Horizonte. Man denkt unwillkürlich an die ,,Protokolle der Weisen von Zion“, wenn er gelegentlich sagt: ,,Laßt uns daher nur immer das Ammenmärchen von einer unsichtbaren Verschwörung der Juden gegen die Christen auf geben. —“ An Reichsreform und Nationalitätenproblem wird man erinnert, wenn er schreibt: ,,Mit der Aufnahme fremder Juden hat es aber dann weniger zu sagen, wenn Deutschland überhaupt mehr zur politischen Einheit wird gelangt sein und es nur ein Deutsches Staatsbürgerrecht gibt/' Geist vom Geiste Herders und Hardenbergs ist es, wenn er den allgemein menschlichen Kern der Emanzipation herausschält: ,,Wenn Ihr den Juden emanzipiert, so emanzipiert Ihr nicht den Genossen einer Euch, dem äußeren Scheine nach, feindlich gegenüberstehenden Religion, ihr emanzipiert den M e n s c h e n . . . /* Ulmenstein nahm den Faden dort auf, wo ihn Dohm hatte fallen lassen. Solche Männer gehören zu den seltenen Naturen, die nicht als Vertreter einseitiger Richtungen und Parteigruppen, sondern als Treuhänder der Sittlichkeit der Nation in der öffentlichkeit sprechen. Und es ist ein Trost in schwerer Zeit, sich daran zu erinnern, daß in den Krankheitstagen der deutschen Volksseele jene Männer den Mut fanden, sich gegen die Verwirrung der Gefühle aufzulehnen. Gabriel Rießer sprach den