Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1934-01-01 · Heft 2 · p. Seite 300

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
78 (1934)
Issue
Heft 2
Article
Der Kampf um die preußische Judenemanzipation im Jahre 1833
Date
1934-01-01
Page
Seite 300 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2829132-2829999-2830002-2838770--52713-2838844
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

300 Fritz Friedlaencler Die Schrift des bisher ziemlich unbekannten Arztes im fernen Königsberg erregte erhebliches Aufsehen, denn der Leser, ob Jude oder Christ, spürte, daß hinter ihr ein Mann stand, der den Kompromiß verwarf, ein Unerbittlicher, der alles oder nichts begehrte. Jener Eindruck wurde gesteigert durch einen Stil, der die Gedankenreihe dramatisch aufbaute und das Gegensätzliche scharf heraustrieb. Das Bedeutsame lag darin, daß die Streitschrift den sittlichen Inhalt des Problems nur als Voraussetzung benutzte, um mit unerhörter Schärfe die staatlich-politische Forderung zu erheben. Nun hing alles davon ab, ob die christliehe Mitwelt die Stimme des Rufers vernahm und ein Mutiger sich bereitfand, das Schweigen zu brechen. Dies war das Verdienst des Freiherrn Heinrich Christian von Ulmenstein, der damit seinen Namen in die Geschichte der deutschen Judenemanzipation denkwürdig einschrieb. Die Ulmensteins waren ein altes deutsches Bürgergeschlecht, das wahrscheinlich in Ulm beheimatet war. Im Jahre 1729 wurden sie durch ein kaiserliches Diplom in den erblichen Adelsstand erhoben. Die Überlieferung der Familie verwies ihre Mitglieder auf den Dienst des Rechts. So war Johann von Ulmenstein (1738—1801) als Assessor am Reichskammergericht in Wetzlar tätig. Sein Sohn Heinrich Christian ging in den preußischen Staatsdienst. Er war 1833 Regierungsrat zu Düsseldorf, als er seine ,,Gegenbemerkungen zu der Schrift des Herrn Geheimen Oberregierungsrats Streckfuß über das Verhältnis der Juden zu den christlichen Staaten" hinausgehen ließ. Für. die Sache der Juden wandte sich ein Christ gegen einen Mitchristen, ein hoher Staatsbeamter gegen einen höheren Amtsgenossen. Der Kampf, welcher begonnen hat und mit ehrlichen Waffen geführt wird — so erklärte er, — ist ein. Kampf des Lichts gegen die Finsternis . . . Er wies auf die sehr bedeutende vorteilhafte Veränderung der Juden seit der Emanzipation hin und verlangte, daß man bei der. Beurteilung des Problems die ausgezeichneten Juden in Anrechnung bringe. Selbstsucht sei der Beweggrund für die judenfeindliche Haltung der Provinzialstände,, die im übrigen nur die Ansichten einzelner. Interessentengruppen und nicht die Urteile der. gesamten Nation wiedergäben. Die Aufhebung des bereits gewährten Bürgerrechts sei dem Charakter der Stände-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.