Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Der Kampf um die preußische Judenemanzipation im Jahre 1833
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 299 (sequence 12)
- Language
- German
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Der Kampf um die preußische Judenemanzipation im Jahre 1833 299 nicht staatsgefährlich. Der Messias der Juden ist niemand anders als die — Wahrheit! Wie kann, so fragt er weiter, ein redlicher Geist das Deutschtum der deutschen Juden in Zweifel ziehen: ,,Wer im Lande geboren und erzogen, die gleiche Sprache spricht, wer die Landesgesetze anerkennt und befolgt und jede Beisteuer zum Staatshaushalte leistet, ist d e r ein Fremdling zu nennen, oder kann er sich selbst dafür halten?“ Hat die christliche Umwelt ein Recht, über Absonderung und Ungeselligkeit der Juden zu klagen, die sie doch selber verschuldet hat? Sofern man unter der öffentliehen Meinung die Stimme der Gebildeten versteht, so ist dieselbe der Emanzipation durchaus wohlgesinnt. Wenn der Pöbel judenfeindlich sei, so sei er eben Pöbel, der überdies durch die Passivität der Regierung in seinem Verhalten bestärkt werde. Wenn Streckfuß zwei Klassen von Juden unterscheide, so könne man ebensogut die Christen klassifizieren. Die einen erklären sich entsprechend dem Gebot der Menschenliebe für die Gleich- Stellung der Juden, während die andern, die sittliche Vorschrift mißachtend, die Juden verfolgen. Daneben gibt es die widerwärtige Abart der sozusagen halbgebildeten Christen, die heuchlerisch die Gleichstellung der Juden begönnern und sie insgeheim zu hintertreiben suchen. Was das von Streckfuß entworfene jüdische Zweiklassensystem anbelangt, so liegt seine praktische Sinnlosigkeit auf der Hand. Judesein und echtes deutsches Bürgertum schließen sich keineswegs aus. Da das Edikt von 1812 nur als eine halbe Maßregel anzusehen sei, müßten die Juden nunmehr die volle statt der halben Emanzipation verlangen. Nicht eine Gnade sei zu fordern, sondern ein Recht; denn ,,solange auch nur ein Recht dem Juden entzogen wird, bloß weil er Jude ist, solange bleibt er ein — Sklav, und alle übrigen Zugeständnisse vermögen ihm nicht das schmerzliche Gefühl der Kränkung zu mildern“. Wie sind die Aussichten des Kampfes zu beurteilen? ,,Die öffentliche Meinung der gebildeten Mehrzahl ist uns Bürge einer besseren Zukunft. Die Scheidewand, welche ein sinnloses Vorurteil aufgebaut hat, wird auch in Deutschland sinken, und das Vaterland ferner — keinen Unterschied machen zwischen seinen jüdischen und christlichen Bürgern.“-