Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1934-01-01 · Heft 2 · p. Seite 298

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
78 (1934)
Issue
Heft 2
Article
Der Kampf um die preußische Judenemanzipation im Jahre 1833
Date
1934-01-01
Page
Seite 298 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2829132-2829999-2830002-2838770--52711-2838842
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

298 Fritz Friedlaender der beiden grundverschiedenen Naturen eine gemeinsame Note auf. Es sind beides Bekenntnisschriften, Aeußerungen einer empfindlichen und schwer gekränkten Innerlichkeit. Jetzt aber kam der Mann, der von der Abwehr zum Angriff überging, der keine Bekenntnis-, sondern eine Streitschrift schrieb. Er war bisher kaum in der weiten Oeffentlichkeit hervorgetreten, er war nämlich nicht, wie man vermuten könnte, ein Schriftsteller, sondern ein Arzt, der bisher fast ausschließlich in seinem Berufe aufgegangen war. Johann Jacoby aus Königsberg. Hier ist nicht der Ort, das Bild des Mannes zu entwerfen, der das freiheitliche Bürgertum Deutschlands erweckte und der, als am Ende seines Lebens eine satte Bourgeoisie ihn verriet, mutig genug war, sich an die Seite des kämpfenden Proletariats zu begeben. Allen Anfeindungen zum Trotz hat der herrliche Mann sich zeitlebens zu seinem Judentum bekannt. Wenn er sich für seine bedrohten Glaubensgenossen einsetzte, so tat er es nicht als Beteiligter, sondern als sittlicher Streiter für das Menschenrecht. Bereits als Student hatte er an der Universität seiner Vaterstadt die Gleichberechtigung der jüdischen Kommilitonen energisch durchgesetzt. Das deutsch-jüdische Problem lastete weiterhin auf seinem Gemüte, bis der Vorstoß von Streckfuß seinen gärenden Empfindungen zum Durchbruch verhalt. Er schreibt seine ebenso umfängarme wie inhaltsschwere Kampfschrift ,,Ueber das Verhältnis des Königlich Preußischen Oberregierungsrats Herrn Streckfuß zur Emanzipation der Juden“ (1833). ,,Der Geburt, wie der innigen Ueberzeugung nach — Jude, machte ich oft die demütigende Lage der Glaubensgenossen zum Gegenstand schmerzlicher Betrachtung. Voll lebhaften Unwillens sah und fühlte ich die drückenden Fesseln, mit denen ein sinnloses Vorurteil uns belastet“, sagt der Verfasser im Vorwort. Er führt den Kampf nicht gegen Streckfuß' Person, sondern er will in ihm den Wortführer aller Judengegner treffen. Er wirft ihm vor, daß er nicht einmal die Gegenschriften der Andersmeinenden kennt. Der schlimmste Feind der deutsch-jüdischen Sache sei — die Gleichgültigkeit. Jeder Bürger dürfe gleiches Recht bean- Sprüchen; wenn nicht, stehe es schlecht um die Gerechtigkeit und Humanität des Staates. Streckfuß verkenne völlig das Wesen der jüdischen Religion, denn der Gott der Juden sei tolerant und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.